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Juli 2022

Prite

07.07.2022

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Von Yanacana Huasy aus sieht man das Canto Grande sich an den Berghängen ungehindert ausbreiten, selbstgebaute kleine Hütten, die da am Hang stehen und zur Verschönerung und um die schlechten Materialien zu vertuschen, oftmals bunt angemalt sind. Die Hänge sind in Nebel getaucht und nur schemenhaft erkennt man die steilen Treppen, die anstelle von Straßen, die obersten Häuser mit dem Rest des Barrios verbinden.

Da hinein geht es mit einem klapprigen vollgestopften Kleinbus, weit hinauf ins Herz des Barrios Huascar. Hier oben, wo es doch so gefährlich sein soll, wovon wir allerdings nichts merkten, liegt ein kleines Grundstück mit drei Bungalows, das eine Zweigstelle Yancana Huasys beherbergt. Da im Hauptzentrum überwiegend Kinder im Alter von 3 bis 18 Jahren betreut werden, wurde Prite vor etwa 20 Jahren ins Leben gerufen. Hier bekommen jüngere Kinder mit Beeinträchtigung und deren Familien Unterstützung. Die 42 Kinder, die derzeit die Einrichtung besuchen sind zwischen 0 und 3 Jahren alt und werden hier von zwei Physiotherapeutinnen, einer Psychologin und einer Spezialpädagogin betreut.

Liebevoll kümmern sich die vier Frauen um ihre jungen Schützlinge und erklären vor allem den Mamas und Papas, wie sie am besten mit ihren besonderen Kindern umgehen, auf welche Art sie auf die Kleinen eingehen können, sie ordentlich fördern und vor allem sie physisch und psychisch stärken können. Nicht selten sitzen hier junge Eltern, ungefähr in unserem Alter und wirken mal unglaublich überfordert, dann wieder tiefenentspannt und geduldig und am Ende meist doch einfach nur erledigt. "Eine sehr junge Frau, vielleicht 19 Jahre alt, sie ist noch zu jung, hat noch keine wirkliche Reife und versteht nicht, wie wichtig die Förderung und die Therapie für ihr Kind ist.", so eine Therapeutin, der Pauline heute helfen durfte. Das sei das schwierigste an diesem Job, wenn die Eltern nicht mitziehen. Denn die Stunde Therapie, die die Kinder hier kostenlos in der Woche bekommen, sei doch nur ein kleiner Teil, erklärt uns die Leiterin und Mitbegründerin von Prite.

Der wichtigste Teil des Lebens des Kindes spiele sich zuhause ab, in der Familie. Und wenn die das Kind nicht fördert, nicht anerkennen, was es alles kann und wie besonders es ist, was für ein Geschenk es für diese Welt, ja auch für die Familie ist, dann bringe die Therpahie nur sehr wenig. Das Eltern die Förderung ihres Kindes nicht sehr wichtig nehemen, wird Pauline schon bei ihrem kurzen Aufenthalt dort bewusst: zwei Kinder tauchen zu ihren vereinbarten Stunden nicht auf, die Online-Stunde verpassen sie, Eltern antworten auf keinen Anruf.


Aber es gebe natürlich auch schöne Momente. Die Direktorin beschreibt unglaublich mitreißend, wie toll es ist, wenn sie mal wieder im Hauptzentrum ist, unten in Yancana Huasy und dort Kinder trifft, die mal bei ihr angefangen haben, die sie als kleines Baby kennengelernt hat. Zu sehen, wie sie sich entwickelt haben, wie weit sie gekommen sind und was sie alles gelernt haben, das sei einer der schönsten Momente in ihrem Job. Und wenn die Kinder oder Eltern sie dann auch noch erkennen und freudig begrüßen, meint sie, dann sei sie absolut dahingeschmolzen.


Eine kleine Einrichtung, die sich für die Würde so kleiner, oft im so jungen Alter von der Gesellschaft schon verachteter Menschen einsetzt und bei der jeder sofort herzlichst begrüßt wird. Aber auch sie beklagen einiges an ihrer Arbeit. Sie haben keinen Laptop und erst recht kein Internet, um die Online-Stunden mit den Kindern abzuhalten, dass laufe alles übers private Handy mit privatem Datenvolumen ab. Außerdem liege das Gelände in einer Mulde, umgeben von Hängen. Das stellt erst ein Problem da, wenn es mal Regnet. Und das tut es ja bekanntlich wirklich nicht oft in Lima. Aber wenn doch, bewirken der Standort und die Tatsache, dass Lima kein Regen-Abwassersystem, wie z.B. die Rinnsteine und Gullis hat, dass das Gelände komplett überschwemmt ist. Hier fehlt es noch an Einigem und dennoch, kann man bereits so viele Kinder in den ersten Jahren ihres Lebens begleiten.


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


Unterricht in Yancana Huasy

05.07.2022

Mit der Baulichen Einrichtung, die die Kirche hier vor 41 Jahren, zusammen mit einem nebenanliegenden Krankenhaus gebaut hat, gibt die Möglichkeiten hier die Unterrichts- und Therapiestunden abzuhalten. Dafür wurde vor einigen Jahren extra diese Rampe eingerichtet, die die Benutzung des zweiten Stockwerks ebenso für gehbehinderte ermöglicht. Diese Kosten für Instandhaltung und Neubauten werden alleine durch Spenden gedeckt.


Somit werden hier inzwischen bis zu 200 Kinder in 18 Klassen Unterrichtet, zusätzlich finden in 4 Sählen im Halbe-Stunde-Tackt ein bis zwei Therapien statt. Diese Therapiestunden (die wie bereits gesagt 20 Soles, also ca. 5 € kosten) werden meistens in Einzeltherapiestunden oder Gruppenstunden mit bis zu 3 Kindern oder Erwachsenen gehalten.
Wie wir erfahren haben, darf hier jeder hingehen, in jedem Alter und in egal welcher schwierigen Situation. Man wird auf jeden Fall nicht im Stich gelassen, ist das was uns hier jeder versichert :)

Für uns beide macht es unheimlich viel Spaß, mit den Lehrkräften zusammen die Unterrichte zu gestalten. Sie sind immer auf Unterstützung angewiesen und würden sich auch außerhalb von Spenden auf langfristige Freiwilligenarbeit freuen. Na, jemand Interesse an einem FSJ? 🤔

Egal wie wir es drehen und wenden und egal wie viele Situationen wir erlebt haben, wir haben immer die Freude und den Spaß der Pädagogen an ihrer Arbeit bei allen unterschiedlichen Tätigkeiten gesehen. Jeder ist mit Herzblut dabei und tut was er kann, dass die Kinder mit neuen Fähigkeiten das Gebäude verlassen.

Mit einigen haben wir jedoch bereits gesprochen, die noch mehr auf finanzielle Unterstützung hoffen. Die Lehrer nämlich müssen immernoch die Unterrichtsmaterialien selbst bezahlen, die sie für die Durchführung einer Stunde benötigen. Es ist nicht viel, läppert sich aber ganz schön bei 18 Lehrern die Täglich Materialien wie Klebstoff, Farben, Essen oder Papier bezahlen müssen. Auch für diesen Teil könnten mehr Spenden eingesetzt werden.

Morgen gehen wir noch auf unserem vorerst letzten Tag mit Kindern an eine andere "Baustelle" von Yancana Huasy. Bleibt also gespannt ;)

Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


Rollstühle für Yancana Huasy

02.07.2022

Viele Kinder die hier in Lima bei Yancana Huasy zur Schule gehen sind in ihrem Alltag teilweise (weil sie nur mit starker Unterstützung gehen können) oder ganz auf einen Rollstuhl angewiesen.

Diese Kinder möchten wir ja trotzdem einbinden in den regulären Unterricht und die Spiele die gespielt werden, daher benötigen sie unbedingt einen Rollstuhl, der jedoch nicht wirklich weniger kostet, als bei uns in Deutschland. Da sich das wiederum viele Familien nicht leisten können, kommt hier erneut Yancana Huasy ins Spiel.

Bedürftige Kinder werden hier direkt in der Einrichtung von Kopf bis Fuß vermessen und abfotografiert. Da nicht ein Rollstuhl dem anderen ähnelt (jedes Kind ist unterschiedlich) werden die Rollstühle einzeln angepasst und dann an die Familien übergeben.
Viele dieser Rollstühle (70 Stück pro Jahr) kommen als Spenden aus den Vereinigten Staten direkt zu Yancana Huasy und können daher den Kindern zur Verfügung gestellt werden. So eine Lieferung kommt allerdings nur einmal pro Jahr, sodass es auch Mal zu Engpässen kommen kann. Falls irgendjemand aus seinem Rollstuhl rausgewachsen ist oder Reparaturen vorgenommen werden müssen, ist das auch kein Problem. Hier gibt es extra Menschen die speziell für die Anpassung eines zu kleinen Rollstuhls zuständig sind.

Die Rollstühle werden als Leihgabe ausgeteilt und müssen nach Ende des Gebrauchs genauso wieder zurückgegeben werden, sodass der Rollstuhl danach wieder weitergegeben werden kann. Aufgrund dieses gut funktionierenden Prozesses hat sich bei Yancana Huasy schon ein Recht großes Ersatzteillager angehäuft, sodass in der Regel an jeden Bedürftigen sofort ein neuer Rollstuhl ausgehändigt werden kann.

Jonas durfte heute dabei mithelfen einen neuen Rollstuhl aufzubauen und diesen dann perfekt für ein Kind anzupassen. Danach wurden auch noch zwei Kinder von einer Therapeutin vermessen und sie haben unter den vielen gebrauchten Rollstühlen versucht, die jeweils Richtigen für die Kinder zu finden. Obwohl soo viele Rollstühle auf diesen Bildern sind, war es gar nicht so leicht, den Richtigen für die jeweiligen Kindern mit den oft sehr speziellen Anforderungen zu finden.


Es ist ein absolut wichtiger Teil der Hilfe bei Yancana Huasy, dennoch ziemlich Kostenaufwendig. Die Rollstühle sind zwar fast ausschließlich Spendengaben, aber dafür sind die Personalkosten für die Organisation und die Umsetzung nicht wirklich günstig. So müssen regelmäßig viele Kosten gedeckt werden um diesen Teil der Hilfe für beeinträchtigte Kinder in Yancana Huasy aufrecht zu erhalten. Also, hilfst du dabei mit? ;)


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


Die Arbeit in Yancana Huasy

01.07.2022

Yancana Huasy sorgt hier in Lima für viele verschiedene Möglichkeiten die Inklusion und Therapie von beeinträchtigten Kindern sicherzustellen. Ein Teil, bei dem wir bisher schon 3 Vormittage eingespannt waren, ist die Bildung der Kinder.

Kurzer Hinweis: Leider können wir aus datenschutzrechtlichen Gründen (noch) keine Bilder von den Unterrichtsstunden oder den Kindern zeigen.

Hier bei Yancana Huasy gibt es schon seit 41 Jahren Unterricht für beeinträchtigte Kinder zwischen 3 und 18 Jahren. Die meisten Kinder haben eine geistige Behinderung, was jedoch von schweren Formen des Down-Syndroms bis Autismus alles sein kann. Viele dieser Kinder haben ebenso angeboren eine körperliche Behinderung, die die Teilhabe am normalen Leben so wie wir es womöglich kennen, weiter einschränkt.
Wie man sicherlich herauslesen kann, nichts anderes als in Behinderteneinrichtungen in Deutschland.
Die Kinder kommen hier nach Yancana Huasy aus teilweise sehr weit entfernten Vierteln Limas, da es eine der einzigen "Schulen" hier ist, die die tägliche Bildung kostenlos anbieten kann. Hier gibt es täglich einen Vormittags- und Nachmittagsunterricht, zu denen die verschiedenen Gruppen erscheinen. Betreut werden die Kinder in Klassen mit 4 bis 13 Schülern von besonders geschulten Spezialpädagogrn oder Lehrern mit Zusatzqualifikationen, die den Unterricht für je 4 Stunden leiten. Unterricht ist, wir denken wie in deutschen Äquivalenten auch, nicht das, was wir aus der typischen weiterführenden Schule in Deutschland kennen, sondern beinhaltet viele Spieleinheiten, ein Essen und die Förderung von interdisziplinären Fähigkeiten so wie Motorik und gemeinschaftliches Miteinander. Da kaum eines der Kinder die wir kennengelernt haben, sich über die Sprache verständigen kann, muss man eben den Unterricht auch dementsprechend angemessen gestalten.

Da eine Person bei 5 Kindern oftmals nicht ausreicht, sind in jeder Stunde Eltern der Kinder mit dabei, die zusätzlich unterstützen und dabei selbst lernen sollen.


Es ist nämlich gar nicht so einfach und überhaupt nicht selbstverständlich, dass die Eltern wissen, wie man mit einem behinderten Kind im Haus umgeht, nicht zuletzt, weil das Thema Behinderung in vielen Teilen der peruanischen Gesellschaft tot geschwiegen wird. Dass der Erfolg dabei nicht immer zu sehen ist, zeigt der Frust einiger Lehrkräfte, die sagen, dass man besser weitere Pädagogen in die Klassen stecken und die Eltern seperat häufiger in eigenen Unterrichtseinheiten schulen sollte. Doch dafür fehlt immernoch einiges an Geld.

Aber viele Lehrer berichten überwiegend schöne Erlebnisse in ihrer Arbeit und alle bemühen sich mit den vorhandenen Resourcen den Kindern ein gutes soziales Leben zu ermöglichen. "Ich bin immer wieder berührt, wenn gerade stillere Kinder auf einmal aufstehen und anfangen zur Musik zu tanzen und zu klatschen", so eine Pädagogin, die Jonas heute in ihrer Arbeit begleiten durfte.


Die Kinder haben alle einen einzigartigen Charakter und es wird immer versucht, diesen individuell zu fördern. Dafür erhoffen sich die Lehrkräfte aber noch mehr Unterstützung, um auf jedes Kind so einzugehen, wie es das braucht.


Morgen geht es für uns weiter in ein anderes Tätigkeitsgebiet von @YancanaHuasy und wir freuen uns, euch davon zu berichten.


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


Juni 2022

Unser erster Tag in Yancana Huasy

29.06.2022

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Unser erster Tag in @yancanahuasy!
Unser erster engerer Kontakt zu Kindern mit Beeinträchtigung. Und das nach 9 Monaten Radltour.

Der Tag begann recht früh, wir sollten um acht Uhr bei Yancana Huasy stehen. Mit Moto-Taxis ging es von dort aus durch das Barrio Canto Grande zu einem nahegelegenen Zentrum der Kirche. Mit einigen Mitarbeiterinnen und dem Direktor von Yancana Huasy José Antonio und außerdem mit zwei jungen Männern aus der USA, die hier im Zuge ihres Priesterseminars ihren Auslandsaufenthalt absolvieren, organisierten wir den Morgen. Es sollten Tüten voller Essen, voller Reis, Milch, Nudeln und Bohnen, an einige Familien verteilt werden, deren Kinder bei Yancana Huasy betreut werden. Uns wurde recht bedrückt erklärt, dass man eben nur den Ärmsten der Armen mit solchen Essensspenden helfen könne, man müsse da ziemlich strikt sein, es reiche nicht für alle Menschen, die "nur" arm seien. Ziemlich harte Worte des Direktors, wenn man bedenkt, dass in diesem Viertel einigen Familien weniger als 10 Soles (~2,5 €) pro Tag bleibt. Wir halfen mit wo wir konnten, die Taschen waren bereits bepackt, also hießen wir die eintreffenden Menschen willkommen, achteten auf ausreichende Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen und natürlich gaben wir die Taschen aus. Hier ist natürlich wichtig zu wissen, dass Perú sich gerade, trotz Beginn der 4. Impfung im Anfang einer Corona-Welle befindet. Da wir es hier zum Teil mit sehr vulnerablen Gruppen zu tun haben, ist hier absolute Vorsicht zu bewahren was Corona angeht, auch wenn es im normalen Leben schon deutlich leichter gehandhabt wird.


Keiner der Menschen, nicht einer, vergaß sich zu bedanken und alle waren so unglaublich dankbar für die Hilfe der Organisation, es kam nicht selten vor, dass die Eltern, Großeltern oder Geschwister beim Blick in die Tüte in Tränen ausbrachen. Ziemlich bewegend.

Nach dem Mittagessen ging es für uns in Unterrichtsstunden. Jonas besuchte eine Gruppe aus vier Kindern im Alter von 7 bis 8 Jahren. Hier kümmert sich eine Pädagogin um bis zu 6 Kinder. Eine spannende Erfahrung wie Jonas später berichtete.

Nach der Vorstellrunde mit den Kindern, die mit Downsyndrom oder Autismus geboren wurden, gab es eine dicke Runde Sport, die nach einer kleinen Essenspause weitergeführt wurde. Schon nach diesen wenigen Stunden fielen Jonas einige Talente der einzelnen Schüler auf: ein Mädchen konnte super Ball spielen, ein Junge war klasse im Tanzen und immer wenn Musik anging mit Leib und Seele dabei. Ganz besondere Individuen, die ganz bestimmt persönliche Förderung in ihrem Talent bräuchten, aber das ist schwer umsetzbar, wenn die Betreuerin ganz alleine mit den 4 Kleinen ist. Das beklagte die junge Frau auch und betonte, wie gerne sie immer eine Unterstützung wie Jonas hätte.


Pauline war in der Zwischenzeit in einer Gruppe von vier kleineren Menschen im Alter von etwa 3 bis 4 Jahren. Hier waren zur Unterstützung der Pädagogin, die selbst taub ist, zwei Mütter dabei. Aber selbst mit einem Erziehungsschlüssel 1 zu 1 waren die Vier absolut ausgelastet mit den Kleinen, die ebenfalls mit Autismus oder Downsyndrom geboren sind. Sie kneteten, bastelten, spielten ein Motorik trainierendes Spiel und machten nach einer kleinen Kekspause eine Massagerunde. Letzteres war der einzige Moment innerhalb dieser Stunden, bei dem alle Kinder ruhig liegen blieben. Sie schienen es alle sehr zu genießen. Und die Mamas erst ;)


Wir geben es ja ungern zu, aber nach diesem ersten Arbeitstag, das erste Mal seit fast einem Jahr acht Stunden am Tag arbeiten, sind wir heute Abend ordentlich platt. Auch die Betreuerinnen wirkten gegen Feierabend sehr erschöpft und das ist nach so einem Tag auch gar kein Wunder. Alle Mitarbeiter wirken, als würden sie ihren Job in der Einrichtung sehr lieben und als seien sie tagtäglich mit Herzblut dabei. Aber nach unserer ersten Erfahrung hier, ziehen wir wirklich den Hut vor jedem einzelnen Mitarbeiter in diesem Projekt, vor ihrer Arbeit und ihrer Geduld!


Wir sind aber gespannt was die nächsten Tage noch auf uns wartet und haben die Kinder alle jetzt schon ins Herz geschlossen!


Alles Liebe,
Jonas und Pauline 🌿

Wir haben Lima erreicht!

27.06.2022

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Nun ja, von unserer Fahrradreise in Lateinamerika haben wir nun das letzte Stück bis zu unserem Ziel: Lima zurückgelegt. Was Perú am Anfang so richtig verk**** hat, hat es aber auch ziemlich schnell wieder gut gemacht. Aber alles von Anfang:


Als wir in Chiclayo mit dem Bus ankamen, machten wir uns direkt auf die Schlafplatzsuche. Zuerst einmal in der Stadt, aber ziemlich schnell wurde uns klar, dass das wohl nichts werden wird. Es nahm sich niemand uns an und da wir vor vielen Diebstählen gewarnt wurden, konnten wir auch nicht einfach im Park zelten. Also verließen wir die Stadt und fuhren in das nächstgelegene Dorf 'Reque'. Dort fragten wir im Rathaus nach und wurden dann nach einigem hin- und her von einer absolut lieben Familie aufgenommen, die uns nicht nur einen Tag (wie zu Beginn geplant), sondern 2 Tage rundum versorgte. In diesen beiden Tagen sind wir großer Fan vom Sohn Fabiano geworden, der uns morgens mit lautem Singen weckte. Vielen Dank an euch!

Der Abschied war wie immer schwer, jedoch zog es uns unserem Ziel entgegen. Also ganze zwei Tage lang. Nachdem wir nämlich losgefahren waren, erkältete sich Pauline und steckte Jonas nach einer Weile auch an. In Paiján entschieden wir uns daher einen Tag Pause zu machen. Daraus wurden zwei und daraus wurden fünf. Es hat uns beide flach gelegt und da wir hier nicht die notwendige Testkapazitäten haben um uns auf COVID testen zu lassen, mussten wir das ganze wie vor der Pandemie handhaben: einfach auskurieren und aufpassen, dass man niemanden ansteckt 😅

Da wir danach erneut hintendran waren mit unserer Streckenplanung, mussten wir wieder und zum letzten Mal einen Bus nehmen, der uns über 450 km bis nach Barranca transportierte. Es war ein Nachtbus und da wir nicht bis nach Lima durchgefahren sind, kamen wir nachts um 3:30 Uhr in Barranca an. Wir verbrachten die restliche Zeit bis es hell wurde direkt bei Straßenverkäufern die uns Tee schenkten und fuhren gegen 6 Uhr dann weiter zu unserem Tagesziel. Da wir aber sehr platt durch die Busfahrt waren, waren wir um 10 Uhr bereits fertig mit dem Radln und suchten direkt einen Schlafplatz, den wir in Huaura auf einem Sportstadion auch fanden.

Irgendwie trinken die Menschen hier kein Wasser, auf jeden Fall ist es für uns hier sehr schwer geworden an kostenloses Trinkwasser heranzukommen.


Von dort aus waren es nur noch 2 Tagesetappen, einmal bis nach Chancay, wo wir in unserer ersten Feuerwache in Peru schlafen durften und uns mit vielen Feuerwehrleuten ebenso gut verstanden haben. 


Am Tag danach fuhren wir beide bereits nach Lima ein, im Endeffekt 2 Tage früher als ursprünglich geplant. Außerdem schafften wir an diesem Tag exakt die 10000 km, was dann sogar ein doppelter Meilenstein unserer Reise darstellt.

Wir haben es geschafft, wir sind da, wir sind in Lima 🥳
Naja, der Stadtverkehr und die Luft machten uns sehr zu schaffen, dazu kam dass es Jonas wohl nicht so gut ging (vermutlich was Falsches gegessen), was das Einfahren in die Stadt nicht erleichterte. Außerdem scheinen die meisten Menschen hier ihren Führerschein im Lotto gewonnen zu haben oder ähnliches, auf jeden Fall sind Blinker und Schulterblick ein absolutes Fremdwort hier, vor Allem für die Busfahrer! 

Danach fuhren wir an der CSD-Parade vorbei, wo wir direkt nette Menschen kennenlernten. Als wir in einer freiwilligen Feuerwache in Lima ankamen, mit der wir am Morgen noch klärten, dass wir dort schlafen können, wurde uns direkt gesagt, dass wir doch nicht dort schlafen könnten. Nach ein wenig Beschweren und Rumjammern, wurde nochmal beim Chef nachgefragt, der uns dann anscheinend doch die Erlaubnis zum Schlafen gab. Wir waren sehr erleichtert, jedoch umso mehr geschockt, dass uns abends um 19 Uhr die Erlaubnis erneut entzogen wurde, jedoch vom Chef der Feuerwehr in Limas Zentrum (für alle Feuerwachen in diesem Bereich). Der Wehrführer der lokalen Wehr entschuldigte sich vielmals für diese Situation und hat uns daher ein Hotel für eine Nacht bezahlt. Auch wenn es ein hin- und her war, ging dennoch Alles gut aus ☺️👍


Danach haben wir noch einen Tag Sightseeing in Limas Zentrum gemacht, was uns sehr gefallen hat. Lima ist eine tolle Stadt mit vielen super schönen historischen Gebäuden im Kolonialbaustil. Wir hätten dies auf jeden Fall nicht erwartet. Aber klar, Lima hat eben auch andere Seiten und als wir das Touristenviertel verlassen hatten, waren wir wieder in das typische lateinamerikanische Leben zurückversetzt, wurden von Einheimischen gewarnt, es wäre hier und da gefährlich und auf keinen Fall sollten wir zu weit in dieses Viertel da rein fahren.

Morgen werden wir dann zum ersten Mal einen persönlichen Kontakt mit der "Asociación Yancana Huasy" machen, auf den wir uns riesig freuen. Wir sind sehr gespannt auf die Arbeit die @yancanahuasy hier in Lima leistet und mindestens genauso auf die Menschen, die sich in diesem Projekt engagieren. Wir freuen uns, unsere Eindrücke dort mit euch zu teilen!

Bleibt also neugierig :)

Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


Ein platter Start in Peru

24.06.2022

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Der Grenzübertritt lief recht gut, nachdem wir denn mal die Migration gefunden hatten. Denn die liegt ca. 5 km auf peruanischer Seite und so waren wir bereits in Perú, bevor wir offiziell aus Ecuador draußen waren.
Wir hatten schon die letzten Tage bemerkt, wie sich die Landschaft verändert hatte: von tropischen Regenwald war die Vegetation jetzt in einen sogenannten Dry Forest, wie zu Beginn in Costa Rica, übergegangen und zunehmends wurde diese spärliche Bewaldung von der kagen Wüste übernommen. Das würde also für die kommenden Wochen bis Lima die Kulisse unserer Reise sein: rechts das Meer, links in der Ferne die Ausläufer der Anden und um uns herum nichts als Wüste. Zum Glück reisen wir allerdings zur "Regenzeit", so ist es nicht ganz so heiß, die Sonne brennt aber dennoch erbarmungslos auf unsere Köpfe, wenn es nicht gerade bewölkt ist. Allerdings kommt damit ein Haufen Wind einher. Und drei Mal dürft ihr raten in welche Richtung der weht. Klar, gegen uns, wie sollte es anders sein?!

Unser Start in Perú war zugegebenermaßen nicht der Beste. Wir kämpften auf den sandigen Straßen gegen den heftigen Wind an und wichen immer wieder den großen Trucks aus, die rücksichtslos an uns vorbei rasten. Immer wieder hatten die Menschen auf unserer Reise vom peruanischen Essen geschwärmt und wie günstig es sei, wir fanden allerdings nur überteuerten Fisch, sehr zum Missfallen von Pauline ;) Die ersten Nächte campten wir wild am Strand, da wir keine Alternative fanden (die Menschen waren nicht so unbedingt freundlich und die Region war viel zu touristisch). So war es jeden Morgen schwer Trinkwasser zu finden, was wir nicht bezahlen müssen. Alles in Allem also nicht so die tollste Zeit.


Zu der schon recht schwierig Gesamtsituation kam ein Problem mit Jonas Hinterreifen. Bis heute wissen wir nicht woran es lag, aber es verhielt sich so: wir fahren ganz normal, plötzlich hat Jonas hinten einen Platten. Also drehen wir das Radl um, holen den Schlauch raus, suchen das Loch. Wenn es eines gibt, flicken wir es, überprüfen nochmal, warten kurz. Alles bleibt stabil, also setzen wir ihn wieder ein. Alles stabil. Dann drehen wir das Radl um, bepacken alles: Platten.


Immer und immer wieder die gleiche Prozedur und es ist weiß Gott nicht der erste Platten, den wir auf dieser Tour haben. Teilweise 5x am Tag hatten wir dieses Problem, tauschten den Felgen-Protektor und den Mantel, fühlten die Felge zig Mal ab, klebten einen zweiten Protektor über den ersten und verbrauchten in diesen paar Tagen drei Schläuche.


Kurz vor Coanoas hatten wir wieder einmal das gleiche Problem, standen aber mitten im Niergendwo und kamen nicht weiter. Wir versuchten also einen Bus raus zu winken, aber in Peru funktioniert das Bussystem etwas anders und die Busse halten nur an den makierten Terminals. Zu unserem Glück nahm uns ein Tucktuck-Fahrer mit ins nächste Dorf. Wir wechselten noch drei weitere Male an diesem Nachmittag den Schlauch, kamen aber nicht weiter. Also zelteten wir mal wieder am Strand und nahmen am nächsten Tag den Bus nach Máncora. 


Hier gab es einen Radlladen, den Jonas aufsuchte, während Pauline vor dem Busbahnhof unter den Augen der Busfahrer Pancakes machte. Sie waren alle super interessiert, fragten nach den Zutaten, wollten alle mal probieren und schlugen Alternativzutaten wie Zucker und Oregano vor. Ein sehr unterhaltsamer Haufen! Stunden verbrachten wir vor diesem Terminal, wechselten den Reifen fünf Mal, beim letzten Mal ließen wir es den Mann im Fahrradladen machen, aber es wollte einfach nicht klappen. Mit den Nerven am Ende nahmen wir den Bus in die nächste größere Stadt, da der Fahrradladen in Máncora keine Schläuche mehr auf Lager hatte.


In Piura angekommem gingen wir direkt zu einem Radlladen, der uns den Reifen prüfte, fand kein Loch und setzte ihn wieder ein. Das hielt dann sogar für ganze 4 km, bis zu unserer Unterkunft, danach war er wieder platt.

Dort verbrachten wir die Nacht in einer Art Flüchtingsunterkumft mit einigen anderen Familien aus Venezuela und Kolumbien. Natürlich freundeten wir uns vor allem mit den Kindern an, die neben Spielen und Lachen ziemlich bedrückt von ihren Eltern oder Geschwistern erzählten, die noch in Venezuela leben. Immer wieder betonte eines der Mädchen, wie kalt sie es hier fände und hustete die ganze Zeit. Nachts wurde uns auch bewusst warum, denn statt unter einer Decke schlief sie unter einem Haufen Kleider. Ein anderes kleines Mädchen, das eigentlich immer sehr freudig wirkte, sprach kein Wort außer "Hola" und starrte in unbeobachteten Momenten nur ins Leere. Ein krasses Erlebnis, eine Nacht mit diesen Menschen ein Haus zu teilen, was uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die Señora, die sich um die Menschen dort kümmert, ist aber wirklich sehr gewöhnungsbedürftig. Morgens wurden wir von Licht und Schreien geweckt, wir sollten doch jetzt aufstehen, unseren Schlafplatz und das Badezimmer sauber machen, bevor sie uns andere Stellen des Hauses putzen ließ. Am Abend noch nett vor den Menschen der Mission präsentiert, erkannten wir, spätestens als wir um 6:50 Uhr auf der Straße saßen und hinter uns die Tür zugeknallt wurde, obwohl wir bis acht hätten bleiben dürfen und sogar ein Frühstück hätten bekommen sollen, das hier nicht Alles ganz so läuft, wie öffentlich berichtet.

Ein weiterer Radlladen, ein weiterer Schlauch, ein weiterer Protektor und das Rad hält. Wir wissen bis heute nicht, was das Problem war, sind aber heil froh, dass es jetzt behoben ist.

An diesem Tag ging es nur noch mit dem Bus nach Chiklayo, da zwischen den beiden Städten nur knapp 230 km pure Wüste liegt und wir nach diesem Radlproblem die letzten Tage echt keine Lust auf drei Tage Einsamkeit in der Wüste hatten.

Kein besonders toller Start in Perú, aber wir hoffen, ab jetzt geht es bergauf ;)

Alles Liebe,
Jonas und Pauline🌿

Kalte Abfahrten und Regen

23.06.2022

Die Abfahrt von 4210 hm bis nach Guaranda war das kälteste, was wir beide auf dieser Tour bisher erlebt haben. Und das, nachdem wir den Jakobsweg im Winter gemacht haben. Es war zum ersten Mal für uns wieder eine derartige Kälte und Nässe, dass wir ohne unsere Winterhandschuhe und Regenbekleidung wohl echt Probleme bekommen hätten. Jedoch war das alles vorbei, nachdem wir im Gästezimmer von Eduardo eine warme Dusche bekamen.


In dem Dorf Guaranda verbrachten wir direkt Mal einiges an Zeit um uns von dem ständigen Bergauffahren etwas zu erholen. Ebenfalls wurde uns von einem wunderschönen kleinen Dorf namens Salinas (de Guaranda) berichtet, welches wir unbedingt besuchen wollten. Daher spielten wir nach einem tollen Frühstück in der Finca von Eduardo Touri und fuhren mit 18 anderen Leuten in einem Pick-Up nach Salinas. 

Im Dorf selbst gingen wir auf den Markt, kauften uns die schönen Pullis aus Alpaka-Wolle (obwohl das Alpaka in Ecuador gar nicht heimisch ist 🙈), besuchten die Schokoladenfabrik und die Salzmine, die unglaublich schön war. Alles in allem war das ein toller Besuch und hat richtig Spaß gemacht, war jedoch nicht minder anstrengend als das Weiterfahren, weswegen wir noch einen weiteren Tag Pause in Guaranda anhängten. Eine warme Dusche zu haben muss man ja schon Mal genießen ;)


Als wir dann die Abfahrt bis auf Meereshöhe, also an einem Tag 3000 hm nach unten, wagten, wurden wir durch eine 1500 m hohe Nebelwand, bei der die Sicht nicht über die 15 m hinausging, überrascht. Die Kommunikation war bei dieser Abfahrt daher absolut wichtig und so riefen wir uns immer gegenseitig zu, wann eine Kurve kam. Und ja, bei so einer Abfahrt gab es dauerhaft welche. Unterwegs mussten wir häufiger Mal anhalten, da unsere Bremsen durch die ganze Reibung einer absoluten Hitze ausgesetzt waren.
Unten angekommen waren wir unter einer endlos wirkenden Wolkendecke und bei ständigem Nieselregen angekommen. Auf Nachfragen wurde uns erklärt, dass wir gerade Regenzeit haben.

Da wurde uns zuerst Mal bewusst, dass sich das Wetter in unterschiedlichen Regionen absolut anders verhält. Währdend in der Sierra, also in den Bergen die Regenzeit schon vorbei ist, finden gerade an der Küste Equadors die Regenzeit statt. Somit wussten wir also, was uns die kommende Zeit erwarten würde: Nass!
Untergekommen sind wir hier unten wieder in Feuerwachen, und damit haben wir hier bisher richtig gute Erfahrungen gemacht. Es gab in jeder etwas größeren Stadt eine eigene Wache, die uns immer sehr herzlich aufnahmen. Wir verbrachten manchmal viel Zeit mit den Feuerwehrangehörigen, erzählten über unsere Tour und über das Feuerwehrsystem in Deutschland, was absolut anders aufgebaut ist, als es in Lateinamerika der Fall ist, und witzelten ein bisschen über die Spanische Sprache, die hier an der 'Costa' wieder ihre Besonderheiten hat. So kamen wir dann ohne Höhenmeter auch streckenmäßig Mal wieder voran und bahnten so unseren Weg von Montalvo über Milagro, Naranjal und El Guabo nach Huaquillas, was bereits die Grenzstadt zu Perú ist.


Von dort aus bahnt sich unser Weg in das letzte Land in Lateinamerika, unser Zielland Perú, in dessen Hauptstadt sich das Projekt @yancanahuasy befindet, was wir bei Eintreffen in Lima besuchen werden.


Da dies bald so ist, möchten wir natürlich nochmal auf unsere SPENDENSAMMELAKTION für das Projekt Yancana Huasy hinweisen, sodass man in Lima die Arbeit für Inklusion, Therapie und Bildung für Kinder mit Behinderung noch weiter ausbauen kann. Dabei hilft, gerade in der Zeit der Inflation, die auch in Lateinamerika eingeschlagen hat, jeder Cent!
Spenden könnt ihr ganz einfach hier.

Wichtig!!! Beim Verwendungszweck muss "2 bikes across the world" rein :)


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


Sehr weit weg vom Erdmittelpunkt

18.06.2022

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Wir machten uns schweren Herzens auf den Weg mit dem Wissen, Monica und diese hochgelegene Hauptstadt zu vermissen. Aber wir planen definitiv einmal wieder zu kommen!


Unser Weg führte uns am Cotopaxi vorbei, den wir wegen der Wolken leider nicht zu Gesicht bekamen, und weiter nach Machachi. Es fühlte sich gut an wieder zu radeln, wir waren nach diesen Tagen Pause aber schon ziemlich schnell ziemlich platt. Über eine Bekannte aus Quito hatten wir einen Schlafplatz auf einer Farm vermittelt bekommen und schliefen für die erste Nacht nach Quito in einem verlassenen Bauernhaus in einer urlaubstauglichen Umgebung voller Grün, Berge und Kühen. Am darauffolgenden Tag überschritten wir nach einigen Stunden Aufstieg den höchsten Punkt auf unserer bisherigen Reise und in unserem bisherigen Leben von 3500 m Höhe. Die Abfahrt danach war traumhaft und die Suche nach einem Schlafplatz und leckerem Essen führte uns zu einer Feuerwache im beschaulichen Städtchen San Miguel de Salcedo. Hier schlenderten wir gemütlich über den netten Mercado, spielten mit dem Wachen-Welpen und unterhielten uns gut mit den Feuerwehrmenschen bei einer Heißen Schokolade. Ein gelungener Abend :)


Der nächste Tag war nicht so ganz nett: keine 5 km entfernt von unserem Schlafplatz platze Jonas Schlauch und wie wir feststellten, war der gesamte Mantel hin. Also mussten wir in die nächste Stadt, Ambato, trampen. Uns nahm tatsächlich auch ein Mann mit, der aber bei der Ankunft 20 $ für die Spritkosten verlangte. Vor lauter lauter Diskussionen und genervter Trennung, vergaßen wir unsere Helme in seinem Auto. Da vor uns zwar erst einmal 80 km Aufstieg, dann aber 4200 hm Abfahrt lagen, mussten neue Helme her. Das kostete uns unser gesamtes Bargeld und drückte die Stimmung ziemlich. Beim ersten Mal zogen wir den neuen Mantel falsch herum drauf, durften die gesamte Arbeit nochmal machen und vergaßen dann einige unserer Sachen am Radlladen. Den restlichen Tag fuhren wir im Niesel-Regen bergauf, unzählige Höhenmeter während die Luft immer dünner wurde. Da unser Benzinkocher leer war, wir aber keine Tankstelle fanden, mussten wir bei Privatpersonen nach etwas Benzin fragen.


Abends fanden wir keinen Schlafplatz und stellten kurzerhand unser Zelt in einem Stall auf einem Privatgrundstück auf. Ab dann galt nur noch hoffen, dass uns niemand erwischen würde.


Am nächsten Morgen sah die Welt aber schon wieder anders aus: die Sonne scheinte, wir hatten gut geschlafen und fanden in der nächsten Kurve auch direkt ein leckeres Frühstück aus Kartoffeln mit Soße. Nicht lange danach kamen wir an einen wundervollen Markt, über den wir schlenderten. Wir mussten ziemlich stark auffallen, zwischen den ganzen Frauen mit ihren traditionellen Röcken und den Männern mit ihren Wollponchos. Aber wir wurden nicht angestarrt, nicht mit Preisen veräppelt und sonst sehr herzlich, wie alle anderen auch, behandelt. Es war eine tolle Erfahrung und wir fühlten uns auf Anhieb unglaublich wohl.


Den restlichen Tag ging es nur noch bergauf, in der Sonne und mit einer tollen Aussicht auf den Chimborazo und in die Täler der Anden. Wir mussten alle paar km anhalten, um Fotos zu machen. Einmal sahen wir einen älteren kleinen Mann im Poncho am Straßenrand, wie er sich gerade abmühte, Holz auf einen klapprigen Schubkarren zu wuchten. Kurzerhand halfen wir ihm und er war so dankbar, lächelte die gesamte Zeit und als wir ein Foto mit ihm machten und er sich vermutlich das erste Mal selbst in einer Kamera sah, lachte er aus vollem Herzen.


Diese Nacht verbrachten wir vor dem kleinen Lebensmittelladen von Maria auf 3880 m Höhe. Maria ist eine etwa 55 jährige Frau, die mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin direkt unterhalb des Chimborazo lebt. Ihre Muttersprache ist Quechua, spanisch hat sie nur in der Schule gelernt, deshalb war die Kommunikation zwischen uns manchmal wirklich schwierig. Sie versorgt ihre Schafe, die Fischfarm, die Kühe, Hühner, Hunde und ganz wichtig, die Lamas und ist sehr sehr stolz auf diese Arbeit mit ihren Tieren. Eine sehr schweigsame Frau mit geröteten Wangen und immer einer Mütze auf, weil es hier in den Bergen ziemlich kalt werden kann. Wir haben sie ins Herz geschlossen und wir konnten wirklich fühlen, wie hier zwei komplett andere Welten aufeinander getroffen sind. ...


Maria hatte scheinbar noch nie in ihrem Leben gesehen, wie ein Zelt aufgebaut wird, und war unglaublich interessiert, wo wir denn da schlafen und beobachtete jeden unserer Handgriffe. Ein spannendes Erlebnis!
Der nächste Tag führte uns in der kalten Bergluft vorbei an Lamas und wilden Vicuñas rauf auf den Pass auf 4210 hm. Drei Tage nur bergauffahren und da standen wir bei 6° C im Regen und sahen vor lauter Wolken nichts. Aber dennoch: wir waren mit eigener Muskelkraft von Meereshöhe auf diesen Pass gefahren und waren hier oben etwa so weit vom Erdmittelpunkt entfernt wie die Menschen, die gerade auf dem Gipfel des Mount Everest standen. Mächtig stolz machten wir uns auf, wieder etwas tiefer zu kommen, wo die Luft nicht so dünn und die Welt nicht so kalt und nass ist.
Diese Abfahrt von 1600 hm war ein absolut krasses Erlebnis. Es war so kalt und nass, wie wir es dank unserer Reise durch die Tropen schon lange nicht mehr gespürt hatten. Auf halben Weg nach Guaranda, wo wir bei Bekannten von Bekannten aus Quito schlafen wollten, mussten wir anhalten und uns in einem Restaurant aufwärmen, so durchgefroren waren wir. Allerdings hat hier niemand eine Heizung und der Kamin wurde nur Wochenends angemacht, also war es nicht wirklich wärmer als draußen. Aber wir schafften auch das und kamen völlig durchnässt und durchgefroren in Guaranda bei Eduardo an. Aber die Zeit in dieser kleinen schönen Stadt ist wieder eine andere Geschichte.


Alles Liebe,
Jonas & Pauline 🌿

Die höchste Hauptstadt der Welt

17.06.2022

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In Quito angekommen haben wir direkt in der deutschen Gemeinde einen Zeltplatz gefunden. Wir sind dort auf die Pfarrsekretärin Monica getroffen, die uns sehr liebevoll aufnahm, uns alles zeigte und uns viel über Quito erklärte. Sie sprach zwar ausschließlich Spanisch, jedoch war das für uns kein Problem, da sie immer sehr gut wusste, wie sie uns etwas erklären kann, wenn wir die Worte die sie benutzte nicht verstanden.

Geplant war eigentlich, dass wir bloß 2 Nächte in der Stadt bleiben, jedoch ergab sich das im Laufe der Zeit etwas anders. An unserem ersten ganzen Tag in der Hauptstadt hatten wir zuerst einmal einen Mantel am Fahrrad wechseln wollen, da dieser bereits sehr viele kaputte Stellen hatte, sodass er jederzeit hätte nachgeben können. Danach spielten wir in der Stadt den typischen Touri, besuchten die Basilika und wollten auf die Statue del "Virgen de Panecillo" rauf, die auf einer Anhöhe über der Stadt trohnt. Auf dem Weg jedoch wurden wir von Einheimischen gewarnt, dass dort oben gerade ein Anschlag auf ein französisches Paar verübt wurde, und wir jetzt besser nicht dort hochlaufen sollten. Während wir anfangs noch sehr beruhigt waren, wurde uns von Sekunde zu Sekunde deutlicher, wie alleine wir gerade standen. Uns hätte keiner helfen können, sollte uns etwas passieren. Also entschieden wir uns dafür, die Sehenswürdigkeit nicht weiter anzustreben und den Abstieg anzugehen. Unten in der Stadt war plötzlich auch alles sehr leer und es waren keine Touristen mehr auf den Straßen zu sehen. Lokale machten zu und jeder war in Aufbruchsstimmung, obwohl es mitten am Tag war. Das war für uns beide ein Zeichen direkt in den nächsten Bus zu steigen und so schnell es geht die Altstadt zu verlassen.

Am Tag danach machten wir einen Tag Pause, lernten viele Menschen der Gemeinde kennen und genossen das schöne Wetter in Quito. Wir halfen Monica, die uns Frühstück vorbereitete, etwas im Pfarrhaus und nahmen an einem Gottesdienst teil. Emotional gesehen war dieser Samstag jedoch sehr schwierig für uns und es war ganz gut, dass wir uns diese Pause genommen haben.



Der Plan, am Sonntag morgen bereits weiterzufahren, wurde erst morgens gekippt, nachdem Monica uns erzählte, was sie Montags morgens normalerweise macht. Sie hilft, zusammen mit einem Schwesternkonvent Essensspenden an bedürftige Familien in einem Armenviertel von Quito zu verteilen. Natürlich hat uns das interessiert dort mitzuhelfen, weswegen wir die Entscheidung trafen noch bis Montag zu bleiben.


Sonntags besuchten wir dann noch das Äquatormonument "Mitad del Mundo", welches $ 5 Eintritt p.p. kostet, was für uns absolut überteuert war. Und das alles nur, um ein 30 m hohes Monument zu sehen, was 240 m zu weit im Süden steht. Wir sahen also nur von außen den ganzen selfie machenden Touristen zu und fuhren danach zurück zur Gemeinde. Monica hatte uns für diesen kleinen Ausflug ihr Auto geliehen und mit ihr und ihrer Familie verbrachten wir den restlichen Tag mit Lasagne und Heißer Schokolade.
Am Morgen danach begann der Tag für uns bereits vor 6 Uhr, da wir zusammen mit Monica zuerst zum Schwesternkonvent fuhren, um die Spenden in Autos zu laden, um danach gemeinsam ins Armenviertel zu fahren. Man sah den Menschen ihre missliche Lage sehr an, die durch die Pandemie nicht unbedingt verbessert wurde. Monica verstand diese Menschen gut und versuchte aus allem was sie konnte den Menschen gute Laune zu überbringen, auch wenn sie Jonas dafür einmal vor allen Menschen lustig machte 😅


So wird wöchentlich an mehr als 100 Familien Essen ausgeteilt. Sie bekommen Brot, Bananen, Eier und Trockenware wie Bohnen, Erbsen und Reis. Es steht und fällt aber alles mit den Menschen, die sich dafür engagieren, wie auch in Deutschland solche Organisationen auf unserem Engagement basieren!
Noch am selben Tag ging es dann nach einem Frühstück im Konvent weiter mit dem Fahrrad aus der Stadt. Es bleiben tolle und prägende Eindrücke, aber wie so oft auf unserer Tour, sind die Touristenattraktionen nur Beigeschmäcke der Stadt. Was bleibt, sind die tollen Menschen die wir auf unserem Weg kennenlernen durften.


Ab jetzt geht es weiter in die Berge :)


Alles Liebe,
Pauline & Jonas


Die Fahrt über den Äquator

16.06.2022

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In Equador wurde uns der Start nicht einfach gemacht. Pauline wurde durch die 2850 hm auf denen wir in Tulcán geschlafen hatten, vermutlich leicht höhenkrank und musste sich erstmal an die Höhe gewöhnen. In Tulcán haben wir jedoch, genauso wie in allen anderen Städten mit "T", sehr lange nach einem Schlaf-Platz gesucht. Ebenso wegen des "Flüchtlingsproblems" wollte uns die erste Feuerwehr nicht aufnehmen, Kirchen, Schulen und das Rathaus hatten zu, also suchten wir 3 bis 4 h, bis uns die Zweigstelle der Feuerwache in einem kleinen Container schlafen ließ. Bis jetzt einer der verrücktesten Schlafplätze auf dieser Tour 😅


Nach einem Tag Pause dort ging es Pauline zum Glück wieder sehr gut und für uns ging es weiter in Richtung Quito. Während wir uns anfangs noch sehr über Equador aufregten, vor Allem über das im Vergleich zu Kolumbien teure und nicht extrem leckere Essen, sowie über die allzeit schwierige Schlafplatzsuche, wurden wir zunehmend mehr von den Menschen überrascht, und je weiter wir von der Grenze wegkamen, desto mehr haben wir Gefallen gefunden an diesem Land. Jedoch klar, hier liegen viele Höhenmeter auf unserer Strecke. Einen Tag ohne 1000 hm gab es bis Quito nicht.


Und genauso zog sich unser Weg über die Städte Ibarra, wo wir freundlich von @casajaguaribarra aufgenommen wurden und danach nach Cayambe, wo wir das erste Mal auf einer Feuerwache in Ecuador haben schlafen dürfen. Die Unterhaltungen am Abend dort mit @yayita_lucumi und einem Kollegen waren toll und wir begannen das Land jetzt richtig zu genießen.



Am nächsten Tag fuhr uns dann ein anderer Kollege ein Stück in Richtung Quito, da wir an sonsten den vollständigen Tag nicht geschafft hätten. Zu unserem Verblüffen sagte er irgendwann, dass wir jetzt auf der Südhalbkugel stehen würden. Ungläubig recherchierten wir, um zu sehen dass er recht hat. Das mit "wir fahren mit dem Radl über den Äquator", wurde dadurch nix. Wir hatten Mal eben ohne es zu merken den Äquator überrollt.


Leicht enttäuscht, jedoch auch darüber witzelnd, schlugen wir von da aus unseren Weg in die Hauptstadt Quito, wo wir noch keinen Schlaf-Platz organisiert bekommen hatten.


Wir fuhren jedoch direkt auf die Deutsche Gemeinde in Quito zu und wurden direkt fündig. Wir trafen auf Monica, die auf dieser Tour die herzlichste Person war, die wir haben treffen dürfen. Mit ihr haben wir in den 5 Tagen in der Hauptstadt einiges erlebt, aber das kommt im nächsten Beitrag :)


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


Die Suche nach einem Schlafplatz

07.06.2022

Nach einigen wenigen freien Tagen in Medellin radelten wir schließlich weiter Richtung Süden. Kaum aus der 3 Millionen Einwohner Stadt draußen, versuchten wir zu trampen da wir noch etwas angeschlagen waren, und tatsächlich, nach kurzer Zeit hielt @pepeoncecaldas11 

an und nahm uns mit seinem LKW ganze 200 km mit. Dieser Weg führte zwar durch eine atemberaubende Berglandschaft. Die Straße war dafür nicht so ganz toll und daher dauerte die Fahrt 8 h. Es war eben auch nur die Ersatzroute, da die Hauptstrecke gesperrt war, weil "die Straße weg ist", wegen des starken Regens. Sie war einfach weggeschwemmt worden, also fuhren wir über Schotterwege und Pflasterstraßen (Autobahn) und standen stundenlang im Stau, weil auch diese Straße nicht ganz vom Regen verschont geblieben war und ab und zu links oder rechts halt ein 2 m breites Stückchen fehlte, was eben abgestürzt war. Aber am Ende kamen wir gut an, heilfroh, diese Strecke nicht geradelt zu sein ;)


Der nächste Radltag war unser erster Tag seit einiger Zeit ohne 1000 hm. Wir radelten so vor uns hin und plötzlich hatten wir die 100 km gepackt. Ziemlich müde kamen wir in der Stadt Tuluá an und machten uns auf die Schlafplatzsuche. Und die brachte uns an diesem Tag echt zum verzweifeln! Die Feuerwache sagte uns zu, wir könnten VOR der Wache schlafen, dort sei die gesamte Nacht ein Wächter, da passiere nichts. Trotz dieses Zugeständnisses machten wir uns weiter auf die Suche, mit der Hoffnung etwas Netteres zu finden. Wir wurden allerdings von allen abgelehnt. Die Polizei vertröstete uns, Kirchen lehnten uns ab, die Klostermenschen ignorierten uns und nichteinmal Schulen wollten uns für eine Nacht aufnehmen. Der letzte Pfarrer, den wir nach einem Platz fragten, machte sich scheinbar über uns lustig und wies uns kurzer Hand ab und als wir deprimiert zur Feuerwache zurückkamen, rewidierten sie ihr Angebot und meinten, wir könnten hier nicht schlafen.


Der Park war zu gefährlich, da war schon am Tag alles überfüllt mit betrunkenen oder bekifften Menschen, ein Hotel konnten wir uns nicht leisten und zum weiter radeln aus der Stadt raus waren wir zu erschöpft.


Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie deprimiert wir waren! Und genau in diesem Moment lernten wir Luho kennen, der gerade mit seinen Freunden im Pub nebenan saß, sein Sonntagabend-Bier schlürfte und sich direkt in unsere Diskussion mit dem Feuerwehrmann einmischte. Er sah unsere Verzweiflung und lud uns ein, in seinem Lokal, dass er gerade rennoviere, zu schlafen. Wir waren ihm so dankbar, dass wir fast zu weinen anfingen. Manchmal gibt es eben auch ziemlich doofe Momente auf so einer Reise. Aber in den doofsten Momenten kommt häufig ein Mensch, der alles irgendwie wieder gut macht! Wir stehen immernoch mit ihm in Kontakt :)


Weiter ging es am nächsten Tag nach Palmira, wo wir diesmal das beste Eelebnis mit einer Feuerwache machten. Wir wurden soo herzlich aufgenommen, erzählten den ganzen Abend mit @alcides.vega.9678

@capatair.colombia.drones@wianroma@andresfabiantorressanchez@19marmolejo97, und 

@estefanitique und bekamen auch einige Gastgescheke von ihnen. Alle Feuerwehrleute waren so herzlich und sie wollten alles über die Feuerwehr in Deutschland wissen.Genauso schwer war auch der Abschied und wir brachen auf bis nach Santander de Quilichao, ein kleines Dorf.


Dort lernten wir @jorgeeliecergiraldolarrahondo 

kennen, der Direktor einer Regionalzeitung in Kolumbien ist. Er bezahlte uns ein Hotel und lud uns zum Essen ein. Wir hatten eine tolle Zeit mit ihm und verbrachten den Abend miteinander, bis wir von dort aus am nächsten Tag die restlichen 300 km von Kolumbien bis an die ecuadorianische Grenze trampen wollten. Aber das ist eine andere Geschichte. Nun beeilen wir uns noch, um nach Lima zu Yancana Huasy zu kommen :)


Alles Liebe,
Pauline und Jonas 🌿

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Mai 2022

Höhen und Tiefen

28.05.2022

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Okay, so langsam müssen wir auch Mal etwas über den Rest von Kolumbien schreiben :)


Uns zog es, nachdem ich die Krankentage überwunden hatte und der Wasserspiegel des Flusses Cauca gesunken war, weiter in Richtung der Berge.

Es standen Tage mit je mehr als 1000 hm pro Tag an, kombiniert mit der derzeit anhaltenden Regenzeit und unserem Ziel, uns nicht des trampens zu bedienen, war das eine Herausforderung für uns. Wir fuhren auf Strecken, vor denen uns die meisten Menschen gewarnt hatten, da gerade hier die Bandenkriminalität sehr hoch sei. Wir bekamen davon tatsächlich nichts mit, bis wir nach einem 1250 hm Tag das Dorf Valdivia erreichten. Als wir am nächsten Morgen losfahren wollten, wurden wir von unserem Gastgeber erstmal richtig geschockt!
In der Nacht hatte eine Drogenbande, deren Boss zu diesem Zeitpunkt an die USA ausgeliefert wurde, angekündigt, dass sich die nächsten 4 Tage niemand mehr im Freien aufhalten dürfe, Geschäfte geschlossen bleiben müssten und keine Fahrzeuge auf den Überlandstraßen fahren dürften. An sonsten drohe Entführung oder sogar Tod. Und ja, leider hat das die Gruppe ernst genommen!


Wir verließen dennoch Valdivia, da uns gesagt wurde, dass es ab Yarumal, der nächsten Stadt, wieder besser funktionieren würde. In Valdivia hätte die Situation sich auch noch verschlechtern oder sogar eskalieren können, deshalb wägten wir ab und fuhren los.


An diesem Tag, an dem wir eigentlich keine Pause machen sollten, hatten wir 1650 hm vor uns, der bisher anstrengenste Tag auf dieser Tour. Wir meisterten aber auch diese Mammutaufgabe und kamen schließlich in Yarumal an.


In der Stadt, ging das reguläre Leben weiter, was uns sehr beruhigte, aber schnell wurde uns durch Gespräche mit vielen Menschen klar, dass eine Weiterfahrt von hier aus genauso gefährlich sei, wie von Valdivia aus. Das Risiko wollten wir nicht erneut eingehen, weswegen wir erneut 3 Tage lang festsaßen. Durch Zufall kamen wir bei der Familie von @estefaniabrpo04 unter, die uns über die Wartetage wie einen Teil ihrer Familie behandelten. Wir konnten viel mit ihnen spielen, kochen und essen, vielen Dank an euch alle!


Nach dem 4. Tag war die Wartezeit dann vorbei, uns trug der Weg bis nach Medellín (erneut mehr als 1000 hm pro Tag), wo wir bei der Familie von Pfarrer Javier unterkamen, den wir in San Onofre kennengelernt haben.
Aber später mehr dazu :)


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


Wieder auf dem Radl

10.05.2022

Es ist ein tolles Gefühl wieder auf dem Radl zu sitzen. Nachdem wir sehr viel Zeit damit verbracht haben, den Darien-Gap zu umrunden, ist es nun an der Zeit für uns, den letzten Schritt unserer Tour anzugehen: durch Südamerika nach Lima. Auch wenn der Zeitplan bis dorthin recht eng gestrickt ist und wir nur grob 9 Wochen Zeit für ca. 3800 km haben, freuen wir uns ganz besonders auf diese Strecke.

Wir konnten es gar nicht erwarten die Fahrräder vom Boot an Land zu bringen, weswegen wir am 24.04.2022 bereits vor 6 Uhr damit begonnen. Wir waren mit dem Segelboot nicht an der Marina angedockt, wir mussten daher die Fahrräder einzeln in das kleine Beiboot legen und (aufgrund eines ebenfalls defekten Motors am Beiboot) zum Dock paddeln. Dies mussten wir ganze 4 Mal wiederholen, bis alles drüben war. Direkt danach ging es dann endlich los, auf unserem Weg durch Kolumbien. Wir haben es sehr vermisst, von den Menschen auf der Straße einfach so Mangos geschenkt zu bekommen, oder eine kalte Limonade, weil man einfach soo platt aussieht. Die Menschen hier in Kolumbien sind wahnsinnig freundlich und immer zu unseren Diensten, zumindest sagen das die Verkäufer immer wenn wir an ihnen vorbeilaufen ;)

Wir haben auch wieder sehr viele Menschen kennengelernt, zum Beispiel Pfarrer Javier, der uns in San Onofre eingeladen hat. Menschen, die uns einfach so ein Hotel bezahlt haben und Feuerwehrleute, die uns die kulinarischen Besonderheiten ihrer Stadt erklärt haben. Das Essen hier in Kolumbien ist richtig Klasse und vor Allem, unglaublich günstig, sodass es sich fast nicht lohnt, den Benzinkocher auszupacken, für 2 € pp bekommt man sowieso ein vollständiges Abendessen ☺️

Bis nach Caucasia führte uns der erste Abschnitt hier in Kolumbien. Über unglaublich gute Straßen und durch eine wunderschöne Natur, durch kleine landwirtschaftlich geprägte Dörfer, vorbei an unzähligen Kuhweiden und dann wieder durch dichten Dschungel. Auch unsere erste Straßensperre haben wir gut überstanden, bei der nach Nachfrage einfach ein paar der Baumstämme, die brennnd quer über der Straße lagen, für uns bei seite geräumt wurden und danach wieder ordentlich positioniert wurden.

Ziemlich einschüchternd, aber zumindest war die ganze Straße den restlichen Tag frei von Verkehr ;)
In Caucasia schliefen wir mal wieder bei einer Feuerwache. Wir bemerkten dort aber auch recht schnell, dass wir dort nicht nur eine Nacht bleiben "müssen". Der Fluss Cauca hier ist nämlich auf einen neuen Höchststand angestiegen und hat in sehr kurzer Zeit die 5 m Marke überschritten, was zuletzt vor 8 Jahren der Fall war. Die Feuerwehr bereitete sich also auf eine große Flutkatastrophe vor, wobei wir natürlich halfen wo wir konnten. Am selben Abend, ging es auch noch direkt auf unseren ersten Hochwassereinsatz. Da jedoch zwischendurch ein Notruf mit der Meldung eines Gebäudebrands reinkam, brachen wir die Anfahrt zum Hochwassereinsatz ab und fuhren in Kolonne mit Signal zum Gebäudebrand. Pauline und ich durften nur zugucken, aber schon aus dieser Perspektive war das sehr interessant mit anzusehen.


Da der Fluss Cauca, an dem wir die nächsten Tage hätten entlangfahren müssen, zu hoch stand und die einzige Straße, die es gibt überflutete, war der weitere Weg für uns blockiert. Daher mussten wir mal zumindest einen Tag abwarten und hoffen, dass der Wasserspiegel sinkt. Am Ende blieben wir 4 Tage bei dieser reizenden Gruppe Feuerwehrmenschen, weil Jonas zu allem Überfluss krank wurde. Jetzt ist er aberwieder fit und für uns geht es weiter Richtung Süden.


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


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April 2022

Umgeben von Blau

29.04.2022

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Ich schaue um mich. Kein Land in Sicht. Nur blau, blau und noch mehr blau. Wellen heben und senken das kleine Schiff auf dem ich sitze, immer und immer wieder. Auf und ab, auf und ab. Immer wieder, von links nach rechts und von vorne nach hinten. 4 Tage auf dem Meer ohne Kontakt zu anderen Menschen außer unserer kleinen Crew: Seth, unser Kapitän, Yudith, seine Freundin und natürlich uns. Es war eine sehr spannende Tour, über die wir sehr gerne berichten :)


Es gibt Kommunikaionsprobleme auf dem Boot: Seth spricht nur Englisch, Yudith nur spanisch, daher können sie sich untereinander nicht verständigen und mit unserem rudimentären Spanisch ist die Vermitlung nicht immer so einfach. Dennoch hatten wir eine klasse Zeit, haben Delfine gesehen, fluoreszierenden Plankton, 6 andere Schiffe und WALE!!! Ein paar wundervolle Sonnenauf- und untergänge und dank fehlender Lichtverschmutzung den schönsten Sternenhimmel, den wir je gesehen haben. Aber mal von Anfang an.

Am Dienstag-Mittag brachen wir nach so langer Wartezeit endlich auf, den Darien-Gap zu umrunden. Die Abfahrt hatte sich wegen ganz unterschiedlicher Dinge immer wieder verschoben aber dann waren wir endlich unterwegs. Wir kamen super voran, den ersten Tag und die erste Nacht hatten wir fast durchgängig 7 Knoten (~14 km/h) drauf, ganz schön schnell für dieses eigentlich recht langsame und alte Schiff. Jonas wurde ziemlich schnell ziemlich seekrank und drückte sich ums Steuern und mithelfen indem er einfach schlief. Nein Spaß, ihm ging es wirklich nicht besonders gut: Kopfschmerzen, Übelkeit und er konnte sich kaum konzentrieren. Da der Autopilot anfangs nicht funktionierte, mussten wir die ganze Zeit selbst steuern. Klingt irgendwie einfacher als es ist. Anders als beim Auto reagiert das Boot erst nach einem Moment und wenn einem dafür das Gefühl fehlt, übersteuert man quasi die ganze Zeit, weil man einfach weiter dreht, weil es ja nicht sofort anschlägt und muss auf der anderen Seite wieder viel zurücklenken und so weiter. Am Ende fährt man Zickzack. Außerdem spielt der Wind ja immer auch eine Rolle. Kommt er von einer Seite recht stark, muss man dauerhaft gegenlenken.


Über Stunden hinweg sitzt man also hinter dem Steuer, starrt unentwegt aufs Meer und auf die Windrichtung und man muss sich konzentrieren seinen Kurs nicht zu verlieren. Ihr könnt euch also vorstellen, was für eine Erleichterung es war, als der Autopilot endlich funktionierte. Die erste Nacht verlief recht ruhig und war gleichzeitig eine der spektakulärsten Nächte, die ich (Pauline) je erlebt habe. Um mich herum war alles stockfinster und totenstill. Alle schliefen und das Einzige was zu hören war, waren die Wellen, die gegen den Bug schlugen. Plötzlich tauchten neben unserem Boot, das sich so seinen Weg durch das schäumende Wasser schlug, Delfine auf. Ich sah sie nur schemenhaft, nur Silhouetten, es war einfach zu dunkel. Sie begleiteten uns einige Minuten, zuerst auf der einen, dann auf der anderen Seite. Als sie weg waren, gab es aber kaum Zeit betrübt zu sein. Ich schaute ins Wasser, schaute ihnen nach und da sah ich all das fluoreszierende Plankton, das nur grün leuchtend zu sehen war, wenn sich eine Welle am Boot brach. Manchmal wie kleine Glühwürmchen, vereinzelt aufleuchtend, manchmal leuchtete die ganze Welle. Ich hatte noch nicht fertig gestaunt, da brachen die Wolken auf, der fast volle Mond tauchte auf und beleuchtete die Welt ein wenig. Über mir waren soo viele Sterne! Man konnte so viele sehen, die ich noch nie vorher gesehen habe. Mit diesen Eindrücken schlief ich ein und als ich wieder aufwachte ging gerade die Sonne vor uns auf. Am Horizont färbte sie die Wolken in ein sattes Orange und unweit dieser waren zwei Planeten hell und groß am Himmel zu sehen. Und was machte Jonas derweil? Er schlief! 😅

Am Mittag flachte der Wind ab, wir machten kaum 2 Knoten und trotteten so, umgeben von fliegenden Fischen(die übrigens wirklich über recht große Distanzen fliegen und nicht nur springen)vor uns her. Wir hatten seit gestern eine Angelleine rausgeworfen und tatsächlich, jetzt hatte einer angebissen. Der wurde natürlich direkt eingeholt, ausgeweidet und fürs Abendessen vorbereitet. Ich muss ja gestehen, ich mag den Geschmack von Fisch wirklich nicht, aber dieser Fisch, direkt aus dem Meer auf den Teller, der hat sogar mir geschmeckt.


In der Nacht hatten wir absolute Flaute, holten die Segel ein, weil es keinen Sinn hatte sie draußen zu lassen, dann konnten wir zumindest alle schlafen. Jetzt schwankte das Schiff allerdings noch mehr, weil die Segel es nicht mehr stabilisierten. Auch am nächsten Tag kamen wir anfangs nur schleppend voran. Aber wir nutzten die Zeit für ein kleines Bad. Unter uns der 3 km tiefe Ozean, schwammen wir mit Fischen, die im Schatten des Bootes Schutz vor der schonungslosen Sonne suchten. Wieder im Boot saßen wir gerade so zusammen und schauten rauf aufs Meer, da sahen wir es. Tatsächlich, unser größter Traum auf dieser Segelreise: wir sahen Wale! Zuerst hielten wir sie für große Delfine, aber es waren tatsächlich Wale. Eine Walfamilie, die einmal zum Luftholen an die Oberfläche gekommen war und das direkt neben uns! Und das hat irgendwie alle Strapazen, Jonas Seekrankheit und das lange Warten wett gemacht!


Wie meistens gegen Sonnenuntergang veränderte sich das Wetter wieder, Wind kam auf und der Regen, der den Nachmittag über angehalten hatte, verzog sich. Morgen früh sollten wir also in Cartagena ankommen. Dachten zumindest Jonas und ich.


Doch am nächsten Morgen die Enttäuschung: der Kapitän hatte in der Nacht die Segel eingeholt, da er nicht in der Nacht im Hafen ankommen wollte (was nicht passiert wäre). Wir sind also nicht vorwärts gekommen. Da es aber nach Sonnenaufgang praktisch keinen Wind mehr gab, zog sich der Tag und die restliche Strecke, die vom Kapitän für 4 h veranschlagt war, war selbst in 12 h nicht zu machen. Der Wind, von dem wir vorigen Abend im Überfluss hatten, war weg! Eine absolute Fehleinschätzung des Kapitäns. Wer jetzt denkt, dass Segelschiffe doch auch noch einen Motor haben, der liegt hier falsch. Unser Motor ist aufgrund eines Lecks am Kühlsystem komplett ausgefallen, Reparieren war ohne Ersatzteil nicht möglich. Das sind die harten Momente, wenn man sich entscheidet kein Flugzeug zu nehmen: man muss warten und geduldig sein. Das macht wütend, das ist super frustrierend und oft waren wir am zweifeln, ob das die richtige Entscheidug war. Am Ende blieb uns nichts anderes übrig als auf Wind zu warten. Wir kamen kaum voran, sahen den ganzen Tag die Stadt vor uns, kamen ihr aber kaum näher.
Aber irgendwann haben wir es geschafft, segelten in den Hafen, der wegen der eingebrochenen Dunkelheit schon beleuchtet war. Der Ausblick auf die Stadt Cartagena, die sich größer als erwartet an unserer Seite erstreckt, war atemberaubend und ziemlich einzigartig. Ich meine, wie oft nähert man sich mit einem Segelschiff einer Stadt? Zu unserem Glück zog uns ein anderes einkommendes Segelschiff (mit Motor )weiter bis zu einem Platz an dem wir für die Nacht ankern konnten und nach einem weiteren Tag warten auf die Passkontrolle, sind wir endlich in Kolumbien angekommen!


Wir sind gespannt was uns auf diesem Kontinent so alles erwartet und freuen uns schon wieder soo unendlich aufs Radln, sodass wir euch auch bald wieder davon berichten können.


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿

200 Tage und es geht weiter

11.04.2022

Vorab: genau heute sind wir 200 Tage lang unterwegs 🥳

Hier in Colón haben wir eine ganze Weile verbracht, die eigentlich gar nicht so lange geplant war, wie es anschließend gekommen ist. Wie man es so schön sagt: "Im Nachhinein ist man immer schlauer". Für uns beide waren die letzten dreieinhalb Wochen in Colón von sehr viel Warten und Demotivation geplagt, aber auch von Freude und Glück übersäht. Wir haben seeeeeehr viel Kniffel gespielt!

Alles hat prinzipiell mit der Unterkunft zu tun, in der wir untergekommen sind. Wir haben über die Kirche einen Schlafplatz in einer Einrichtung für Obdachlose und Drogenabhängige bekommen (vor Corona). Derzeit wird diese aufgrund der Pandemie dazu genutzt, den Menschen auf der Straße Frühstück und ein warmes Mittagessen vorzubereiten. Natürlich arbeiteten wir dabei, und auch bei anderen Aktivitäten mit, wie zum Beispiel in der Kleiderkammer, und halfen dort, wo unsere Hilfe benötigt wurde.

Was eigentlich als Schlafplatz für maximal eine Woche geplant war, wurden im Endeffekt ca. 3,5 Wochen. Aber was warten wir eigentlich so lange in Colón?
Der Punkt ist, dass es zwischen Panamá und Kolumbien keine einzige öffentliche Straße gibt. Demnach ist für Reisende die einzig wahre Möglichkeit, diesen sogenannten Darien-Gap mit dem Flugzeug zu überfliegen, oder mit einem Boot zu umrunden.
Da Fliegen für uns beide aus mehreren Gründen nicht in Frage kam, nicht zuletzt wegen Umwelt- und Aufwandsgründen, war das Boot die einzige Alternative. Dabei gibt es drei verschiedene Möglichkeiten nach Kolumbien zu gelangen: ein Backpacker-Segelschiff zu buchen, ein Versorgungsschiff bis in die Nähe von Kolumbien zu nehmen, oder mit Privatpersonen zu segeln.

Unsere Entscheidungen haben viel mit den Personen zu tun, mit denen wir hier tagtäglich zu tun haben. Als erstes sprachen wir hier mit dem Koch Marcelino, der uns empfahl ein Versorgungsschiff zu nehmen und er ergänzte, dass dies die einzig richtige Möglichkeit wäre.



Auf dessen Ankunft warteten wir 1,5 Wochen hier in Colón, bis wir von Kapitän und Besitzer der Versorgungsschiffe eine Absage erhielten. Ebenso sei der Weg sehr gefährlich und weiterhin von Piraterie geplagt. 1,5 Wochen warten für nix: Na toll!


Es musste also eine andere Möglichkeit her. Während uns für das Backpacker-Segelschiff, welches ca. US$ 600 pro Person kostet, das notwendige Kleingeld fehlt, blieb die einzig letzte Möglichkeit, eine Privatperson zu finden, die uns gut und gerne mit nach Kolumbien nimmt, am Besten kostenlos. Und das taten wir, wir gingen auf die Suche an verschiedene Häfen, fragten viele Menschen, hängten Zettel aus, machten eine Durchsage durchs Hafenradio und wiederholten das Ganze. Und tatsächlich, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Radreisende ohne Segelerfahrung mit auf einen Segeltörn mitgenommen werden sehr gering sind, fanden wir am 3. Tag Seth und Yudith, die auf ihrem Weg nach Venezuela einen Zwischenstopp in Kolumbien machen.


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Wir haben nach einer weiteren Woche Warten sogar bereits 2 Nächte auf dem Schiff verbracht und versucht, bei ein paar Reperaturarbeiten mitzuhelfen, sodass das Segelboot demnächst startklar ist.


Von Kolumbien aus sind wir dann die nächsten 3 Monate nach Lima unterwegs. Yancana Huasy, wir kommen!
Zur Info: wahrscheinlich geht es kommende Woche los. Währenddessen werden wir leider kein Internet haben, euch also auch nicht auf dem aktuellen Stand halten können. Wir werden uns aber von Kolumbien aus zügig bei euch melden :)


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


März 2022

Ein halbes Jahr unterwegs

23.03.2022

Heute sind wir genau ein HALBES JAHR auf Tour!

Und wir können uns nicht so recht entscheiden, ob die Zeit schnell oder langsam vorbei ging. Einerseits kroch die Zeit so langsam vorwärts, wir hatten manchmal das Gefühl nur noch zu radeln, zu essen, zu schlafen, radeln, essen, schlafen und dann wieder von vorne. Aber wir sind doch erst gerade kürzlich losgefahren, hatten gerade unsere Freunde und Familien das letzte mal ordentlich gedrückt, standen doch gerade erst an der Grenze nach Frankreich, haben doch gerade erst den Pfälzer Wald aus dem Sichtfeld verloren. Und so rast die Zeit vorbei. Zu manchen Zeitpunkten erlebten wir so viel, lernten so viele Menschen kennen, probierten so viel Essen und sahen so viele unglaublich wunderschöne Landschaften, so viele Tiere. Wir steckten bis zum Hals in unserem Abenteuer, bekamen kaum etwas von der Zeit oder irgendetwas sonst mit. Und das ist doch das, was das Reisen ausmacht, oder?

Aber wir sahen zum ersten Mal auch, dass das Leben  in Deutschland ohne uns weiter geht. Sarah hat jetzt eine Festanstellung, Pia ist im Studien- und Arbeitsalltag komplett angekommen und Christoph ist Hochschuldozent. Hannah hat sich getraut einen wichtigen Schritt in die berufliche Richtung zu gehen, in der sie sich und ihre Zukunft sieht, Mathilda ist jetzt schon in der 3. Klasse (wurde sie nicht gerade erst eingeschult?) und Simone ist nun fast ein richtiger Lokomotivführer. Schon ziemlich cool finden wir, und wenn wir drüber nachdenken, sind wir unglaublich stolz! Manchmal ist das aber auch schwierig zu sehen, wie sie das Alles ohne uns erleben, wie wir uns am anderen Ende der Welt für sie freuen, aber sie nicht als Glückwunsch in die Arme nehmen können. Nicht Sophie, die jetzt endlich mal ihr erstes Semester in Präsenz hat, nicht die Wuppertaler Jungs, die alle grade ihr Praktikum beginnen und auch Maya nicht, die bald ein Jahr in Griechenland studiert. Ohne euch alle wäre diese Reise nicht so, wie sie ist (und auch nicht so Telefonat-reich;).


Ok und jetzt genug abgeschweift, wir wollten doch eigentlich ein Resümee über ein halbes Jahr Fahrradtour erzählen.


183 Tage sind wir jetzt schon unterwegs, seit wir am 23.09.2021 von der Kalmit aus gestartet sind. 166 Kekspackungen und 3 Benzinkocher später sind wir bis jetzt 7.590,8 km geradelt, haben 10 Länder durchquert (für jedes Land ein Bild), 6 davon in Mittelamerika, und haben dabei doch nur eine Welt kennengelernt. Und nicht einmal die Ganze! Überall sind wir auf tolle Menschen getroffen, wurden von allen möglichen Seiten unterstützt, haben Dinge gesehen, gegessen und ausprobiert, die wir ohne diese Reise bestimmt niemals hätten kennen lernen können. Wir haben uns so oft zuhause gefühlt, und das soo weit weg von unserem Zuhause. Und dabei haben wir Zuhause nie vergessen. Allen Menschen hier haben wir von unserem Zuhause, von unseren Familien, Freunden, von deutschem Essen und europäischer Kultur erzählt. Wir erleben diese Reise und auch die Menschen hier, die uns aufnehmen und mit uns Zeit verbringen, obwohl sie manchmal nicht einmal wissen, wer wir sind. Sie erleben auch das "Exotische", das Neue, was sie noch nicht kannten, all das durch uns. Keine Ahnung, ob das Sinn macht, aber es ist auf jeden Fall ein tolles Gefühl ;)


Was wir eigentlich sagen wollen: wir lieben unser Abenteuer und empfehlen auf jeden Fall jedem irgendwann mal eine Reise zu machen, egal ob mit dem Auto, zu Fuß oder auf dem Radl. Es sind alles tolle Arten zu reisen und bitte traut euch, geht raus, lernt die Welt kennen und lieben und kommt, wie hoffentlich wir in 4 Monaten auch, wieder gesund aber reich an Erfahrungen zurück nach Hause.


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


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Oh wie schön ist Panama?

22.03.2022

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Dabei machten wir unterschiedliche Erfahrungen in verschiedenen Dörfern und Städten. Einerseits kamen wir durch kleine Dörfer, wie z.B. Tolé, in der Nähe von David, in dem wir fast ausschließlich auf Ablehnung stießen. Wir suchten stundenlang nach einem Platz zum Übernachten, aber niemand wollte uns helfen, ja sich nicht Mal die Mühe machen fürs Verständnis etwas deutlicher zu sprechen oder gar zu lächeln. Dazu verwirrte uns, dass es in vielen ländlichen Regionen Panamás immernoch kein Abwassersystem gibt, was also die Gestaltung der Toilette, von dem was wir in Deutschland kennen, stark differenziert. Es ist ausschließlich eine Betonplatte über einem Loch, auf der ein Toilettensitz betoniert wurde. Wenn man Glück hatte, gab es dort sogar eine Klobrille. Lieber schaut man auf jeden Fall nicht in das Loch über das man sich setzt, denn wenn man das tut, entdeckt man neben einigem Gewürm und Gegrabbel Kröten und allerlei anderes größeres Getier. Die Abneigung der Menschen, die Distanz, die sie uns gegenüber brachten und die recht krassen Verhältnisse, hinterließen in den ersten Tagen nicht das beste Bild des Landes.

Weiter Richtung Panamá-City änderte sich das aber und wir trafen auf viele nette und hilfsbereite Menschen. So trafen wir in der Nacht nach Tolé @adavaldez_013 und @albavalds, die uns herzlichst in den Garten ihrer Familie einlud und uns neben Frescos auch mit unserer ersten puren Kakaofrucht versorgte. Wir hätten nicht erwartet, dass diese so aussieht wie sie aussieht und dass man das innenliegende Fruchtfleisch essen kann, das hat dann aber leider nichts mit Schokolade zu tun ;).
Im gleichen Dorf trafen wir durch Zufall beim Einkaufen @podzy11, der ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs ist und sich auf einer Mission für Versöhnung auf dem Weg nach Canada befindet. Am Straßenrand wurden wir einmal einfach so von einem fremden Obstverkäufer angehalten, von dem wir eine halbe Sandilla (Wassermelone) geschenkt bekommen haben. Bei @kanelita_0897 durften wir unsere erste Kokonuss (Pipa) frisch vom Baum pflücken und wir wurden mit reichlich leckerem, typisch panamanesischem Essen versorgt. In Santiago de Veraguas trafen wir Osvaldo, bei dessen unglaublich lieben Schwestern wir schliefen und wieder Mal mit Essen versorgt wurden und bei denen wir sogar selbstgemachten Schmuck geschenkt bekamen. Er konnte sogar ein paar Brocken Deutsch, da er dadamals für 10 Monate in der DDR, in Ost-Berlin, gewohnt hatte.
Diese so liebevollen Menschen, die uns aufgenommen, versorgt und sich rundum herzlichst um uns gekümmert haben, haben uns ihr Land lieben gelernt. Es war eine so tolle Zeit und wir hoffen, wir kommen irgendwann Mal wieder hier her oder sie besuchen uns in Deutschland, sodass wir uns wiedersehen können.
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So machten wir also unseren Weg und kamen vor ca. 1 Woche in der Hauptstadt an. Dort trafen wir @507cristian.ruiz.luque, einen Bekannten von Jonas Familie, der damals 2005 zum Weltjugendtag in Deutschland zu Besuch war. Während unseres Aufenthalts dort wurde Jonas etwas krank und entwickelte Fieber und Bauchbeschwerden, weswegen wir hier unseren zweiten Arztbesuch auf der Tour abhielten. Der Verdacht der Ärztin, den wir nicht unbedingt teilten, Jonas habe Corona, bestätigte sich nicht und wir sind ohne Diagnose nach 3 Nächten bei Christian und seiner Frau weitergefahren.


Nun sind wir in Colón angekommen, also haben wir einmal von der Pazifikseite in Panama auf die Atlantikseite gewechselt (an einem Tag). Die Fahrt dort hin war auch Recht witzig, da wir (wie immer) Mal wieder auf der Autobahn unterwegs waren. Die Polizei dort fand das gar nicht so witzig und hat uns nach 10 km angehalten und mit zwei Fahrzeugen wieder an die letzte Abzweigung gefahren, auf eine Route, die wir fahren dürfen (die war zwar für uns viel gefährlicher, da es keinen Randstreifen mehr gab, aber darum geht es ja gar nicht). Daher fuhren wir an diesem Tag 10 km mehr als ursprünglich geplant.

Jetzt sind wir in Colón schon für eine Woche in einer Einrichtung untergekommen, die für Obdachlose und arme Menschen in der Stadt Frühstück und Mittagessen vorbereitet. Das ganze wird kirchlich durch 2 Schwestern geleitet und finanziert. Hier dürfen wir mithelfen, übernachten und werden zum großen Teil mitverpflegt. Aber auf jeden Fall wurden wir ohne große Nachfrage unglaublich herzlich aufgenommen und direkt in den Alltag hier integriert.

Von Colón aus sind wir seit einer Woche auf der Suche nach einem Schiff, das uns über den Atlantik in Richtung Kolumbien nimmt, was etwas schwieriger ist als erwartet. Der Weg ist nicht einfach und wird wahrscheinlich sehr abenteuerlich. Aber mit dem Boot von Panamá nach Kolumbien überzusetzen scheint uns die beste Lösung, da fliegen mit Rädern immer super schwierig ist und es andererseits keine landgebundenen Routen auf den anderen Kontinent gibt außer Schmugglerrouten, die wir jetzt nicht unbedingt nehmen wollen. Das Gebiet wird der Darien-Gap genannt, da es dort keine Landwege gibt. Es war wohl schon mehrere Male eine Verbindungsroute geplant, die wurde jedoch nie angefangen zu bauen. Eine Fährverbindung gibt es auch nicht, weswegen wir hier dieses Abenteuer wählen müssen. Wir sind gespannt, was uns die kommenden Tage erwartet.

Wir haben wahrscheinlich auch kein Netz, weswegen es möglich ist, dass ihr erst wieder von uns hört, wenn wir gut und sicher den Kontinent gewechselt haben.
Wir lassen auf jeden Fall von und hören!

Alles Liebe,
Pauline & Jon
as 🌿


Costa Rica

21.03.2022

Der Grenzübertritt nach Costa Rica war der bislang Entspannteste in Lateinamerika. Wir hatten alle Dokumente auf Anhieb und wurden nicht komplett über unsere Reise, die Räder und unsere geplanten Aufenthaltsorte ausgefragt wie z.B. in Nicaragua. Obwohl die ersten km im Land mit Regen im Dschungel begannen, befanden wir uns schon am ersten Abend in einem Gebiet, dass sich der Dry Forest nennt. Alles war ziemlich braun und verdorrt. In unserer ersten Unterkunft bei @balboscr, machten wir unseren ersten eigenen Tamarinde-Fresco und wir wollen ja wirklich nicht angeben, aber der hat fast so gut geschmeckt wie von Einheimischen gemacht. Dort lernten wir Abends die beiden polnischen Reisenden @swierczekpat und Kuba kennen, mit denen wir den Tag ausklingen ließen, Schach spielten und als es dunkel war mit einer Taschenlampe den ans Grundstück angrenzenden Fluss nach den leuchtenden Krokodilsaugen absuchten.

Die folgenden Tage führten uns über die Panamericana, mal über Fahrradwege, dann wieder über die Straße, wo Fahrradfahrer eigentlich verboten waren. Das war der Polizei aber sichtlich egal, sie winkten uns und freuten sich offensichtlich über ihren exotischen Fund: weiße junge Menschen auf einem Fahrrad.

In Bagaces verbrachten wir eine Nacht im Roten Kreuz und hatten alle Hände voll zu tun: schon die letzten 2 Tage hatten wir immer wieder Ameisen, so kleine rote Teilchen, auf unseren Rädern und in den Taschen umherkrabbeln sehen. Unzählig Viele! Also räumten wir Alles aus, jede Tasche, bis wir entdeckten, wo ihr eigentliches Nest war: in Jonas Fahrradrahmen. Ja, Nest trifft es recht gut, die Ameisen hatten schon begonnen Eier rum zu tragen. Unzählig Viele! Wir bauten also das Radl zum Teil auseinander, weichten  bewegliche Teile mit vielen vielen Ameisen eine Weile in Wasser ein. Ameisen können nicht schwimmen, auch das hätten wir somit belegt. Allerdings waren wir damit noch nicht fertig, denn die kleinen roten Teile hatten nicht nur den Lenkerinnenraum annektiert, nein sie wollten mehr, sie wollten den gesamten Rahmen.
Also blieb uns nichts anderes übrig (wir konnten ja nicht das gesamte Radl fluten), als den restlichen Stamm mit einem sehr wirksamen Insektenspray aus Jonas Radl zu verbannen. Danach hatten wir kein einziges Mal mehr Probleme mit Ameisen.


Unser weiterer Weg führte eine Küstenstraße am Pazifik entlang. In dieser Region bot uns eine unglaubliche Landschaft: tropischer Regenwald direkt angrenzend an traumhaft schöne Strände mit türkisblauem Wasser. Kein Wunder, dass dieses Land so beliebt bei Touristen ist. Eine Nacht verbrachten wir in einem recht kleinen, nicht so ganz touristisch geprägten Dorf, wo wir in einer Art Schule unterkamen. Abends sollte es dort ein Dorffest geben und wir wurden direkt eingeladen dort hin zu kommen, es solle auch ein ganz tolles Event geben. Irgendwas mit einem Stier. Naja, so wirklich verstanden wir nicht, was der Mann uns auf spanisch versuchte zu erklären, aber ist ja auch egal, die werden da ja keinen echten Stier haben auf dem Fest! Abends, in einer recht großen Arena wurde uns mit jedem Augenblick bewusster, dass dieser Mann nicht von einem echten Stier gesprochen hatte. Nein, er hatte von vielen echten Stieren gesprochen. Wir waren auf einer Rodeo-Meisterschaft gelandet. Und das war eine der krassesten Erfahrungen, die wir auf dieser Reise bisher erlebt haben! In der ersten Runde wurde ein Zuschauer, der etwas zu langsam in der Arena die schützende Banderole hinaufgeklettert war, vom Stier 2 m in die Luft geschleudert (ihm passierte zum Glück nichts). Die drei Pferdereiter, die nach geglückter Vorstellung versuchten den Stier mit Lassos zurück aus der Arena zu treiben, die zwei Jungen, die mit Stollenschuhen zum besseren Halt, mit roten Tüchern über den Platz rannten um den Stier in die richtige Richtung zu lotsen und natürlich die Reiter, alles junge Männer, die ausnahmslos von der tosenden Zuschauermenge bejubelt wurden, boten eine imposante Darstellung mit Adrenalinkick.


Irgendwann war es uns dann aber doch zu wild: Ist das nicht super gefährlich? Wie werden die Stiere behandelt und ist das nicht alles tierschutzrechtlich gesehen etwas fragwürdig? Also gingen wir, noch bevor überhaupt die Hälfte der Reiter an der Reihe waren, mit gemischten Gefühlen zurück zu unserem Zelt und waren noch ziemlich lange, ziemlich überfordert mit den ganzen neuen Eindrücken.


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Am nächsten Tag in der Stadt Parrita, wir hatten auf dem Weg eine dänische Bäckerei gefunden und uns mit Zimtschnecken und das erste Mal seit Mexico City mit Sauerteigbrot eingedeckt, versuchten wir wieder bei der Feuerwehr und beim Roten Kreuz unterzukommen. Wie uns allerdings erklärt wurde, hat das Land den Einrichtungen wegen der Pandemie verboten, Menschen wie uns aufzunehmen. Allerdings wurden wir herzlichst zu einer Kirche am anderen Ende der Stadt weitergeleitet und tatsächlich, dort wurden wir unglaublich liebevoll von Padre Louis und Jasson aufgenommen. Zweiterer sprach sogar deutsch, da er bis vor kurzem für 20 Jahre in Köln gelebt und als Pfarrer gearbeitet hat. Man muss sich auch erst wieder dran gewöhnen, Menschen mit kölsche Dialekt verstehen zu können ;) Und das mitten in Lateinamerika. Wir hatten einen tollen Tag bei den beiden, aßen gemeinsam und schliefen sehr selbstverständlich im Haus. Natürlich luden wir die beiden auch ein, sollten sie jemals wieder nach Deutschland kommen, dass sie sich doch melden, dann würden wir mit ihnen auf jeden Fall eine Weinprobe machen.


Diese Zeit motivierte uns dazu, hier in Costa Rica in den größeren Städten in den Kirchen statt den Wachen nachzufragen. Und das funktionierte super, die kommenden Nächte schliefen wir immer in oder bei Kirchen, wurden zum Essen eingeladen, bekamen Internet, hatten nette Gespräche. Aber die erste Kirchenerfahrung blieb dann doch etwas ziemlich Besonderes. Kurz vor der Grenze trafen wir ebenfalls bei einer Kirche einen deutschen Tierarzt. Er ist vor vielen Jahren nach Costa Rica gekommen und behandelt jetzt misshandelte Tiere in der Gegend. Leider hatten wir nicht sonderlich viel Zeit mit ihm, aber er inspirierte uns schon ziemlich mit seiner Arbeit, seiner ruhigen, ausgeglichen aber gleichzeitig neugierigen Art. Die letzte Nacht im Land verbrachten wir bei @kennethicaza, der uns auf der Straße hinterherrief, uns anhielt und direkt in sein Ferienhaus einlud. Wir wurden vollzeit verpflegt und Jonas lernte Abends noch wie man Tostones zubereitet.


Costa Rica gefiel uns richtig gut, mit all den tollen Stränden, der unfassbaren Natur und natürlich den klasse Menschen hier. Aber es war auch unser bisher touristisch geprägtestes Land in Lateinamerika und mit unserer Art zu reisen gehen wir den Touristen meistens aus dem Weg, ja sind oft sogar ein wenig genervt von ihnen, weil sie sich so gar nicht anpassen wollen, auf Gedei und Verderb ihre Empanadas auf Englisch bestellen, obwohl ihr Gegenüber kein Wort versteht, sich nichtmal bemühen, auf einheimische Menschen Acht zu geben. Aber umso gespannter sind wir auf unserer nächstes Land: Panama, denn "Oh wie schön ist Panama", oder? Mal schauen, ob es wie bei Tiger und Bär von oben bis unten nach Banane riecht :)


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


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Die Vulkanwanderung

20.03.2022

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Der Kurzurlaub auf der Insel Ometepe war Mal wieder eine recht kurzfristige Aktion von uns. Am Abend zuvor trafen wir mithilfe von Einheimischen aus Rivas die Entscheidung, diesen Schritt zu wagen uns 2 Tage "Freizeit" zu nehmen.

Der Begriff "Freizeit" ist in diesem Kontext wohl eher interpretativ zu verstehen, denn wir wollten nicht wie die üblichen Touristen auf der Insel Urlaub machen, sondern auf einen der beiden Vulkane steigen, die die Insel formen. Erst auf der Überfahrt mit der Fähre entschieden wir uns mithilfe von 3 Kanadiern die wir unterwegs trafen, dass wir auf den größeren und schwereren der beiden Vulkane (Conception mit 1610 m höhe) aufsteigen wollten. Auf der Insel angekommen fuhren wir dann am 17.02.2022 erstmal nur noch bis zur Feuerwache und fanden damit unseren Schlafplatz. Den restlichen Tag erkundigten wir uns über den Einstieg auf den Vulkan und machten einen genauen Plan, wie wir nach dem Abstieg wieder rechtzeitig von der Insel runterkommen würden.

Am 18.2.2022 begann die Tour um 6 Uhr für uns, indem wir zuerst 30 min mit dem Fahrrad zum Einstieg fuhren um danach mit der eigentlichen Wanderung zu beginnen. In den ersten Kilometern durch den Dschungel waren wir fester Überzeugung, dass dies der wohl gefährlichste Teil dieser Reise sein wird. Als wir dort aber nach 1,5 h draußen waren, erkannten wir unser eigentliches Problem. Der Weg, der davor sehr gut sichtbar vorgetrampelt war, war plötzlich weg und nur noch schwach auf dem Boden erkennbar. Wahrscheinlich ist das der Grund, wieso jeder unbedingt einen Guide mitnehmen muss. Wegen Kostengründen entschieden wir uns aber dagegen ;)

Nichtsdestotrotz entschieden wir uns in die Wolken hineinzulaufen und der Spitze weiter entgegenzustreben, während es weiter oben immer feuchter und windiger wurde, der Weg immer schlechter sichtbar und eine Blickweite über die 10 m hinaus eigentlich nur die Ausnahme war. Das ganze ging so lange gut, bis wir bei 1550 m bemerkten, dass die Steine des aktiven Vulkans, an denen wir uns wegen enormer Steigung festhalten mussten, heiß wurden, ca. 60° Celcius.

Da das Ziel des Bergsteigens nicht der Gipfel ist, sondern die sichere Rückkehr, entschieden wir uns ziemlich klar dagegen, die letzten 60 hm auf den Gipfel zu vollenden. Es stand dabei einfach zu viel auf dem Spiel. Im Nachhinein fragt man sich immer, wieso man nicht noch die letzten Meter gemacht hat, aber es war ganz klar die schwierigere und richtigere Entscheidung umzudrehen und den Vulkan aufzugeben, auf ein anderes Mal ;) Beim Rückweg wurde es plötzlich sehr regnerisch und Nass, was Jonas' Handy, auf dem unzählige Fotos seit Mexico City gespeichert waren, speziell mitbekam. Es erleidete dort beim Abstieg einen Wasserschaden, der bis jetzt immernoch nicht behoben werden konnte. Alle Versuche das Handy erneut hochzufahren schlugen fehl, weswegen wir nun nur noch hoffen können, dass die Fotos in Deutschland irgendwie durch Auseinanderbauen des Handys gesichert werden können. Ansonsten fehlt uns ein großer Teil der Bilder des Erlebten (auch der Grund weswegen wir euch keine richtigen Bilder von oben geben können, die Meisten sind auf Jonas Handy)! Ansonsten war der Abstieg noch anstrengender als der Aufstieg und nicht nur einmal mussten wir uns ordentlich abfangen, um uns nicht komplett in die nasse Asche zu legen und schlussendlich rutschte Pauline vermutlich ⅔ des oberen Teils in der Hocke runter. Aber die Tier- und Pflanzenwelt machte das Alles irgendwie wieder gut. Von handgroßen Schmetterlingen, über Brüllaffen bis hin zu exotischen Vögeln war Alles dabei. Und wirklich: der Besuch dieser kleinen, sehr landwirtschaftlich geprägten Insel lohnt sich unserer Meinung nach wirklich!


Die Rückfahrt zum Festland verlief ähnlich wie der Hinweg recht einfach entspannt (abgesehen von riesigen Wellen, die die kleine Fähre so etwas zum Schwanken brachten) und so führte uns unser Weg von der tollen "Freizeit" zurück in die Fahrradtour. Nicaragua haben wir dann 2 Tage später mit einer Hoffnung auf Wiedersehen in Richtung Costa Rica verlassen. Und bis heute denken wir unheimlich gerne zurück an dieses kleine Land, das doch so viele Probleme hat und gleichzeitig so unglaublich schön ist.


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


Im Land der tausend Vulkane

19.03.2022

Nicaragua begann, wie Honduras endete: extrem heiß! Nach 12 Uhr war es quasi unmöglich weiterzufahren, weshalb wir viel Zeit hatten die Städte zu erkunden. Die ersten zwei Tage radelten wir recht viel auf der Suche nach einem Geldautomaten, den es nur in Großstädten hatte. Nicaragua wird oft auch das Land der tausend Vulkane genannt und dass das eine recht zutreffende Bezeichnung ist, haben wir direkt am Anfang bemerkt. In der knallenden Sonne bei 45° C umradelten wir Vulkane, die aus der braunen Steppe hervorragten und dabei mayestätisch in den Himmel stiegen. Sehr viele davon sind auch noch aktiv, was man an der aufsteigenden Rauchwolke recht gut erkennen kann.


In León schliefen wir mal wieder auf einer Feuerwache direkt in der Innenstadt, die wir am Mittag mit ihrem tollen Ambiente, der lauten Musik und den vielen Mercados erkundet hatten. Jonas durfte Abends sogar mit auf einen Einsatz, um einen Flächenbrand mit 1000 m² zu löschen. Dafür standen nur 5 Personen und 2000 l Wasser zu Verfügung! Aber am Ende packten sie es doch. Am nächsten Morgen radelten wir schon gegen 6 Uhr los und trafen auf der Straße @ikal_bosque auf seinem Radl, mit dem wir eine Weile gemeinsam gegen den super starken Gegenwind ankämpften. Nach ein paar Stunden trennten sich allerdings unsere Wege, wir wollten am selben Tag noch die Hauptstadt Nicaraguas, Managua, erreichen.

Nach 100 km trafen wir dann in der riesigen, und für Radfahrer nicht unbedingt empfehlenswerten, Stadt José, einen unglaublich gastfreundlichen und herzlichen Nicaraguaner, der vor einiger Zeit in Deutschland studiert hat. Bei José, der uns zu sich nach Hause eingeladen hatte, hatten wir eine klasse Zeit! Wir machten einen Tag Pause, mal wieder wegen eines Vorstellungsgespräches, konnten Wäsche waschen, aßen sehr lecker und bekamen sogar eine persönliche Führung, bei der wir in den Krater des noch aktiven Vulkans Masaya blickten und einen tollen Ausblick auf den Vulkansee Apoyo hatten. Es tat so gut, in so herzlicher Umgebung eine Pause machen zu können.
Es war also, wie Abschiede nun mal so sind, recht schwer weiterzuziehen aber wir hoffen natürlich auf ein baldiges Wiedersehen!

In Granada, einer recht touristischen Stadt mit tollen Häusern im Kolonialstil, waren wir das erste Mal am großen See von Nicaragua, an dessen Seite wir den darauffolgenden Tag bis nach Rivas radelten. Wusstet ihr, dass dies der einzige See weltweit ist, in dem es Süßwasserhaie gibt? Nur leider haben wir keine gesehen. Der See ist der 7. Größte der Welt und das sieht man auch. Oder eben nicht, denn das gegenüber liegende Ufer kann man definitiv nicht erkennen. Und da meinen wir die schmale Seite! Seit Granada veränderte sich die Vegetation wieder super stark. Nun war es nicht mehr so unglaublich heiß und um uns herum wurde es deutlich grüner, Dschungel machte sich wieder breit!

Von Rivas aus, wo wir eine Nacht im Roten Kreuz bei @cesarjarquingonzalez 
und @aj_arauz unterkamen, ging es mit der Fähre auf die im See liegende Vulkaninsel Ometepe, aber das ist eine eigene Geschichte wert.

Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


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Unsere Zeit in Honduras

08.03.2022

Beim Grenzübertritt nach Honduras hatten wir zwar den notwendigen Test ausgefüllt, jedoch haben wir vergessen eine Vorregistrierung auszufüllen, sodass wir über die Grenze durften. Mit der Hilfe eines Grenzbeamten war das aber kein Problem das an der Grenze zu erledigen und so passierten wir die Grenze in unser 7. Land auf unserer Reise.


Von da an mussten wir zuerst ein Gebirgszug umrunden, dessen Umfahren uns 80 km kostete, jedoch ca. 2000 hm ersparte, weswegen es sich definitiv gelohnt hat. Wir versuchten auch hier wieder in Feuerwachen unterzukommen, was immer sehr gut geklappt hat. Wir habe in El Progreso sogar die Partnerfeuerwehr der @feuerwehrrecklinghausen gefunden, die uns sehr nett behausten. Kurz nach der Abfahrt von dieser Feuerwache kamen wir an einem Fahrradunfall vorbei, bei dem wir natürlich direkt geholfen haben. Die Feuerwehr kam unverzüglich danach und transportierte den verletzten Radfahrer ab. Ein Wahnsinn, wen man bedenkt, dass täglich Menschen gerettet werden, da damals eine Partnerschaft von Feuerwehr zu Feuerwehr aufgebaut wurde. Macht auf jeden Fall weiter so und weitet eure Beziehungen aus, viele Feuerwehren in Zentralamerika haben es noch notwendig! Honduras hat es inzwischen gepackt, hier wird die Feuerwehr bereits vom Staat finanziert :)


Beim Fahren mit dem Radl merkt man auch die Änderung der Vegetation sehr stark. Während Honduras an der Atlantikküste in der Nähe zu Guatemala noch sehr dschungelartig war, hörte das in der Mitte des Landes ganz schlagartig auf und wurde richtig trocken und heiß. Das wirkte sich natürlich auch auf uns aus, da wir hier kaum noch Bäume fanden, die uns Schatten spendeten, weswegen wir der Hitze komplett ausgesetzt waren.

Zwischendurch an einem Tag mit vielen Höhenmeter haben wir bei Jonas Radl gemerkt, dass er gestern anscheinend durch super viele Metallsplitter gefahren ist, weswegen wir beide Reifen auf der Autobahn haben flicken dürfen. Und weil es so schön war und wir nicht richtig überprüft haben, durften wir beide Schläuche am gleichen Tag abends noch einmal auseinandernehmen :)


Weiter ging es dann nach Süden in Richtung der Hauptstadt. Jedoch müssen wir große Städte immer mit Vorsicht genießen, da dies für Radfahrer immer sehr gefährlich sein kann! Zum Glück trafen wir kurz vorher in S... einen Rennradsportler (@furvich06), der uns nicht nur zum Mittagessen einludt, sondern uns auch noch eine Alternativroute empfohl, die in Richtung Pazifik auf die Pan Americana führte.


In San Lorenzo trafen wir dann sogar eine Cousine eines entfernten Verwandten von Jonas, die uns auch sehr freundlich verpflegte (@danisa_garcia). Die Familie hatte ein Kind namens Anderson, welches mit 5 Jahren an einer Krankheit erkrankte. Die weiteren 7 Jahre seines Lebens ist er nicht mehr gewachsen und hat sowohl eine psychische als auch eine physische Behinderung ausgebildet. Was das Kind genau hatte und wieso man es nicht therapieren konnte, wissen wir leider nicht genau. Es liegt wohl daran, dass Ärzte hier in Honduras sehr teuer sind und es keine Krankenkasse gibt, die für Irgendjemanden einspringt.
Inzwischen haben wir mitbekommen, dass der 12 jährige Junge kurz nach unserer Abreise verstorben ist und seinen Krankheiten und dem geschwächten Immunsystem erlag. Er hatte Glück, in so eine liebenswerte Familie gelangt zu sein, die ihn mit allem was sie konnten unterstützten und pflegten! Nicht alle Kinder können solch ein Glück haben und auf familiäre Unterstützung bauen.


Aus diesem Grund gibt es Projekte die sich dafür einsetzen, Kindern diese Chance zu geben. Eines davon ist Yancana Huasy, für das wir selbst Spenden mit eurer Unterstützung sammeln möchten. Wir haben bereits mit eurer Hilfe einiges an Spenden zusammenbekommen und sind unglaublich dankbar! Aber bis zu unserem Ziel fehlt leider noch Einiges, weswegen wir euch alle bitten möchten, die Kinder vor Ort zu unterstützen. Das ganze geht ganz einfach unter diesem Link: https://www.sternsinger.de/spenden/spendenformular/ Bitte denkt an den Verwendungszweck: "2 bikes across the world".


Bis aus Honduras heraus war es dann auch gar nicht mehr weit und so radelten wir unseren Weg in das nächste Land: Nicaragua!


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿

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Mit gutem Gefühl

05.03.2022

Die Route durch Guatemala führte zuerst weiter durch den Bundesstaat Petén und dann durch Izabal, zwei landschaftlich unglaublich wundervolle Gebiete! Meist gesäumt von dichtem Dschungel passierten wir Täler, dann wieder unbewaldete Hügel, die uns dezent an das schöne Auenland (Der Hobbit) erinnerten und viele Flüsse, die, wenn nicht gerade ausgetrocknet, zum Wäsche und LKW waschen genutzt wurden. Viele viele Hölzhütten mit Strohdächern säumten unseren Weg neben denen die Einheimischen in ihren Hängematten dösten um im Schatten ihrer Kokospalmen der Mittagshitze zu entfliehen. Welch eine wichtige Bedeutung Hängematten hier haben, wurde uns mit jedem weiteren Tag in diesem Land stärker bewusst.


In einem ehemaligen Klostergebäude wurden wir herzlichst aufgenommen und lernten Abends direkt beim Kochen mit Pati, wie man ganz traditionell Tortillas herstellt. In Mexiko werden Tortillas mit Hilfe riesiger Tortillamaschinen in Tortillerias hergestellt. In Guatemala stattdessen ist das Alles noch Handarbeit und man kauft sie entweder bei Tante Emma um die Ecke oder macht sie, wie schon die Uroma, einfach frisch selbst. Ganz wichtig für ein gutes Essen sind hier übrigens neben Tortilla und Reis auch Bohnen, ähnlich wie in Mexiko, nur dass man, je südlicher wir kommen immer mehr rote statt schwarze Bohnen isst.
Wir tangierten die Grenze zu Belize nur, hatten einen tollen Blick auf ein kleines Stück belizianischen Dschungel und aßen im Schatten dessen unsere erste selbstgeknackte Kokosnuss. Wir fuhren das 1. Mal Moto in Lateinamerika und wurden diesmal von der Polizei sogar zu unserem Schlafplatz, einer Art Schule, bei der, wenn nicht gerade Corona wütet, auch viele Freiwillige arbeiten und wohnen, gefahren.


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Wir passierten Rio Dulce mit all seinen schicken Segelyachten und Hotels und kamen in einem kleinen Dorf nicht unweit dieser unglaublich touristischen und absolut belebten Stadt in einer Grundschule unter. Beim Nachfragen ob das möglich sei, wurde uns gesagt, wir sollen doch bitte kurz auf den Rektor der Schule warten. Das taten wir, spielten währenddessen umzingelt von vielen interessierten Kinderaugen auf dem Basketballfeld "10000" und waren dann zugegebenermaßen doch etwas überrascht, als uns eine etwas ältere Frau die Schule aufschloss. Wie eingeschränkt unser Blick doch war, schlichtweg von einer männlichen Führungsposition auszugehen!


Etwas weiter Südlich wurden wir unglaublich herzlich von @denisobich_mayorga, @jrcarloshernandez und @patrick_hernandez03 in Morales mal wieder in einer Feuerwache aufgenommen und zum Abendessen eingeladen! Es war so nett, sodass wir am liebsten einen Tag länger geblieben wären. Und wie sich Jonas gefreut hat, dass sie eine richtige Feuerwehrrutsche hatten!


Kurz vor der Grenze zu Honduras mussten wir dann wirklich einen Tag wegen eines Vorstellungsgespräches und für einen COVID-Schnelltest, den wir für die Einreise nach Honduras brauchten (den es 1. nicht im Supermarkt zu kaufen gibt und 2. außer an einer zentralen Stelle in der Stadt, an der man für das Ergebnis ca. 2h hat warten müssen, pro Test ungefähr 50€ hätte zahlen müsse) pausieren. Natürlich auf einer Feuerwache, direkt gegenüber des Containerhafens, von wo aus unglaublich viele Chiquita-Bananen verschifft wurden. Jonas hat in der 1. Nacht sogar drei Einsätze mit dem Ambulancia mitgemacht und ganz neue Erfahrungen sammeln können. Eines wissen wir jetzt: wie gut, dass wir in diesem Land keinen Unfall gebaut haben und wie toll das deutsche Rettungswesen doch eigentlich ist! Von den wahnsinnigen Geschichten werden wir später Mal berichten. Vielleicht ist ja auch Mal ein Livestream mit @der_flory drin, wenn wir zurück sind ;)


Neben all den spannenden und schönen Erlebnissen in diesem Land, haben wir auch zwei drei etwas unschönere Bekanntschaften machen müssen. Ich würde sagen hier schlug uns das erste Mal so etwas entgegen, was wir in Europa wohl als Rassismus bezeichnen würden. Nicht nur einmal wurden wir beschimpft oder uns wurden Beleidigungen hinterher gerufen, in der Regel bezüglich unserer Hautfarbe. Schon Kinder scheinen ein gewisses Unbehagen gegenüber weißer Menschen von der Gesellschaft mitzubekommen und wie Kinder nun mal so sind, bringen sie ihre Stimmung ganz gut zum Ausdruck. Aber nach ein bisschen Zeit lernt man auch damit umzugehen und nicht jeden Menschen, der so auf uns reagiert, doof zu finden. Auch wenn das manchmal ziemlich schwer fällt.


Dennoch verlassen wir Guatemala mit einem guten Gefühl und freuen uns auch dieses Land irgendwann mal wieder bereisen zu können :)


Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


Februar 2022

Familien-Alltag

19.02.2022

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Wir besuchten also die befreundete junge Familie in ihrem Haus, mit Papaya und Bananen im Garten, in San Benito. Wir hatten geplant 3 Tage zu bleiben, aber wie das nun mal mit Plänen so ist sind wir schlussendlich 5 geblieben. Alle haben uns so herzlich aufgenommen, wir wurden und haben uns in den Familien-Alltag versucht zu integrieren und haben es genossen, das erste Mal auf unserer Tour so richtig zuhause zu sein. Natürlich, wir haben uns schon an vielen Orten dank vieler toller Menschen zuhause gefühlt, das wollen wir nicht sagen, aber hier war es eben das Familienleben, was wir aus der Heimat kennen:

Kindern bei den Hausaufgaben helfen, versuchen Geschwisterstreitereien zu schlichten und mit Allen gemeinsam kochen.


Gemeinsam mit Ona hat Jonas sogar 4 Vogelspinnen auf einmal gesehen 😅

Wir verbrachten eine wirklich tolle Zeit, konnten unsere Bewerbungen schreiben, alles neu sortieren und natürlich waschen. War aber auch mal wieder nötig ;) Sonntags machten wir einen klassischen Sonntagsspaziergang mit Hund und Kinder durch den Dschungel. Dafür sind wir extra mit einer Ranscha über die Lagune gefahren, über die man dann eine superschöne Aussicht hatte. Dank unserem Guide Johannes haben wir uns auch nicht verirrt :) Wir aßen dort unter anderem Termiten und kletterten auf einen Baum, der von den Kindern sogenannte Wurzelbaum, eben weil er überwuchert mit einem parasitären Gestrüpp ist.

Als es ans Verabschieden ging kam da schon ein mulmiges Gefühl auf. Wir werden das bunte Treiben vermissen: Ona und Ava mit ihren super schweren Mathe-Aufgaben, Feyna die gerade absolut keine Lust dazu hat, zu machen was alle Anderen machen und der kleine Yoel, der alles recht amüsiert betrachtet und immer mittendrin dabei sein will. Aber wir nehmen Einiges mit aus der gemeinsamen Zeit und wenn es am Ende bloß das tolle neue Spiel "10000" ist, wovon wir irgendwie nicht mehr genug bekommen.

Aber am Ende sind wir eben doch auf einer Radltour und wollen weiter radeln, sind gespannt auf das was da noch kommt, auf neue Menschen, neue Erfahrungen und vor allem neues Essen ;)

Alles Liebe,
Pauline & Jonas 🌿


Guatemala

19.02.2022

Am 19.1.2022 ging es dann an unseren 1. Grenzübertritt auf dem Landweg außerhalb des Schengenraumes. Ihr könnt uns glauben, dass wir aufgeregt waren! Die Emmigration aus Mexiko lief wie geschmiert, wer hätte es gedacht. Bei der Immigration nach Guatemala gab es dann das klitzekleine Problem, dass vor wenigen Tagen die Beschränkungen für die Einreise geändert wurden, nun war nämlich ein negatives Testergebnis erforderlich. Das doofe war nur, dass das anscheinend noch niemandem mitgeteilt wurde außer den Guatemalteken. Und irgendwie noch doofer war, dass die nächste Möglichkeit einen Test zu machen in Tenosique war, 60 km entfernt von der Grenze, genau dort wo wir doch herkamen. Wir versuchten @Gustavo anzurufen, dass er uns abholen komme, aber natürlich steckte er gerade in einem etwa 60 km langen Funkloch. Es erschien aussichtslos, aber irgendwie schafften wir es dann doch an einen Stempel im Reisepass zu kommen, aber ob das an Paulines Tränen oder an Jonas Bequatsch-Talent lag, wird wohl ein Rätsel bleiben.Uns solls Recht sein, Willkommen in Guatemala!


Wir müssen gestehen, vor dieser Reise und ohne große Auseinandersetzung mit diesen Ländern, haben wir nie darüber nachgedacht, dass jedes dieser doch nicht so ganz großen Staaten in Central Amerika doch eigentlich ein eigenständiges Land mit eigener Kultur, mit eigener Sprache, Verhaltensweisen und natürlich ganz eigenem Essen ist. Irgendwie war für uns Alles so ähnlich wie Mexiko eben. Schon an den ersten Tagen wurden wir eines Besseren belehrt. Plötzlich sprachen die Menschen ein wenig anders, abends waren alle Geschäfte zu, wo sie doch in Mexiko gerade erst nach der Fiesta aufgemacht hatten und wo waren auf einmal all die vielen Tortillamaschinen? So viel zu unserer Vorbereitung auf unsere Zielländer. Stellt euch mal vor, wir würden sagen, ach Deutschland, Schweiz, Österreich und Lichtenstein, ist ja irgendwie Alles das Gleiche, sprechen ja Alle deutsch. Autsch!

Was wir sagen möchten: wir mussten uns eben darauf einstellen, dass nichts mehr wie Mexiko ist. Aber daher nicht minder schön.

Die ersten Tage sollten uns über die einzig wirklich mögliche Straße nach Flores führen, etwas einsam ohne größere Städte, nur mit kleinen Siedlungen und durch viel Grün. Als aber keine 5 km nach El Naranjo, wo wir unsere erste Nacht verbracht hatten, Jonas Schlauch aus seinem Mantel schaute, durchkreuzte das etwas unsere Pläne. Einen Ersatzmantel zu finden, hier, Mitten im Niergendwo, wo es zwar viele Bananen, aber wenige, ja man könnte sagen, keine Fahrradläden gab, erwies sich also als unmöglich. Also trampten wir bis es nicht mehr weiter ging und fuhren dann mit dem Bus nach La Libertad. Es ist auch mal ein Erlebnis den Überlandbus durch die Wallachhei zu nehmen, die Räder aufs Dach gespannt nachdem man den Bus heran gewunken hat, denn Haltestellen sind hier überflüssig, man macht dafür alle 30 km eine Pause, damit man sich Mango, Wasser oder Bananenchips am Straßenrand kaufen kann. In der größeren Stadt fanden wir tatsächlich einen passenden Mantel und reparierten das Übel. Dann kamen wir bei einer Feuerwache unter und waren auf den 1. Blick erstaunt, wie gut die Wehr ausgestattet war. Auf den 2. Blick erkannten wir, dass zwar ein Haus und ein aus der USA gespendetes Fahrzeuge da war, Equipment und die eigentlich doch viel wichtigere Ausblidung aber fehlte.

Am nächsten Tag ging es dann für uns weiter nach San Benito bei Flores zu einer tollen Familie aus St. Martin, die gerade für einige Jahre in Guatemala lebt. Hier wollten wir eine kleine Pause machen, aber das hört ihr demnächst.

Alles Liebe,
Pauline und Jonas 🌿


Als Touri bei den Mayas

18.02.2022

Als wir dann endlich unser Paket erhalten hatten, verbrachten wir einige nette Tage mit @couple_days_off in Palenque. Wir schliefen in einem Dschungelcamp, kochten und aßen gemeinsam und spielten ein wenig Touri. Morgens wurden wir vom Schreien der Brüllaffen geweckt und tagsüber konnten wir Agutis beobachten. Den ersten Tag verbachten wir damit, die archäologischen Ruinen ehemaliger Maya-Tempel anzusehen. Wusstest ihr, dass nachgewiesen wurde, dass diese uralten Gebäude damals, als sie noch in Gebrauch waren, kunterbunt angemalt waren, wie man es auch heute in den Straßen vieler Städte sehen kann? Bei einem kleinen Dschungelspaziergang danach auf eigene Faust waren wir Alle irgendwie von der Vorstellung fastziniert, gerade eventuell auch über alte Maya-Geheimnisse zu stolpern, die weit unter unseren Füßen begraben liegen. So musste es ja sein, denn nur ein super kleiner Teil der Ruinen wurde bisher ausgegraben, der Rest liegt noch versteckt unter dem Dschungel.

Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen bereits weiter ziehen, da es aber die gesamte Nacht und, ja man kann sagen, fast den gesamten nächsten Tag regnete, wurde aus diesen Plänen nix. Schon morgens beim Aufstehen bemerkten wir, dass wir mit unseren Isomatten im Zelt schwammen. Zum Glück hatten wir ja aber das tolle Paket aus DE erhalten und darin war eine wunderschöne knallrote Hängematte mit Moskitonetz, die dann für eine Nacht unser Zelt ersetzte. (Jonas, ich kuschel super gern mit dir, aber lass uns das nächste mal jeder seine eigene Hängematte nehmen ;)

Am nächsten Tag ging es dann aber wirklich weiter und die Fahrten liefen, bis auf einen Mini-Angriff von Hunden auf der Straße, bei dem uns schon als wir noch ca. 200 m entfernt waren, 5 Hunde bellend und Zähne fletschend entgegen gerannt kamen und wir sie nur mit schreien, treten und möglichst schnell weiter radeln abschütteln konnten, ziemlich entspannt.


Unseren letzten Abend in Mexiko verbachten wir in der, auf den ersten Blick unscheinbaren, bei genauerem kennen lernen aber wundervollen Stadt Tenosique. Menschen wirklich, wenn wir noch einmal die Möglichkeit haben nach Mexiko zu reisen, dann auf jeden Fall in diese Region! Wir wurden herzlichst von @tavomacosay nicht nur ins Gästehaus, sondern auch in seine Familie aufgenommen, zum Essen eingeladen und wir bekamen eine Tour in der Umgebung. Wir fuhren ersteinmal eine halbe Stunde raus aus der Stadt, auf einer kleinen Straße in die Berge. Mitten im Niergendwo fragten wir einen Viehwirt nach Erlaubnis sein Land betreten zu dürfen, fuhren dann über einen mit Schlaglöchern übersähten Acker und stiegen aus. Der weitere Weg führte über eine Wiese (wenn man kurze Hosen trägt, einfach nicht über giftige Schlangen nachdenken), durch einen großen Bach, auf einem kleinen Trampelpfad rein in den Dschungel. Und dann waren wir da, an einer wunderschönen stillen Lagune, ganz allein, Mitten im Wald. *Grillenzirpen* *Libellen summen* Gustavo erklärt uns, dass dies eine Lagune ist, die schon die Maya damals nutzten und die einen Frischwasserzugang zu einem unterirdischen Fluss hat. Und dann sprang er einfach mit Köpper ins Wasser. Auf die Frage welche Tiere denn darin leben bekamen wir nur ein "don't worry", dicht gefolgt von einem "Hakuna Matata!" als Antwort. Also gut, Hakuna Matata und rein da. Erst nach dem unglaublich erfrischenden Bad wurde uns aufrichtig erzählt, dass diese nette kleine Lagune neben Alligatoren auch von vielen kleineren oder eben doch etwas größeren Schlangen frequentiert wird. Aber gelohnt hat es sich!


Auf der Rückfahrt durften sich unsere beiden Guides dann dafür nette deutsche Musik mit noch netterem Gesang unserer Seits geben. Am nächsten Morgen wurden wir dann noch, nach ausgiebigem Frühstück mit der ganzen Familie, mit den Rädern zur Grenze nach Guatemala gefahren. Wir müssen schon sagen, mit diesen letzten Tagen hat es uns Mexiko wirklich nicht leicht gemacht weiter zu radeln und wir werden die Natur, das Essen und vor allem die Menschen hier sehr vermissen.


Aber natürlich sind wir auch gespannt auf das nächste Land: Guatemala, wir kommen!


Das Päckchen

05.02.2022

Im Laufe der Zeit, während des Beginns unseres Mexiko-Aufenthalts, haben sich wieder einige Dingen angesammelt, die uns von zu Hause aus geschickt werden sollten. Dass dies so ein Abenteuer wird bis wir das Paket in den Händen halten, hätten wir wahrhaftig nicht gedacht.

Zuerst zum Inhalt:

  • Neue Brillengläser für Jonas (die Alten waren durch die Handhabung auf der Tour total verkratzt. Danke @sebastianuehlin für deine Unterstützung, jetzt hat Jonas wieder den Durchblick)
  • Paulines Weihnachtsgeschenk (eine Hängematte für 2 Personen mit Moskitonetz)
  • Ein GPS-Gerät, auf das andere Karten haben aufgespielt werden müsse (Danke an @christoph_nw)
  • Briefe von zu Hause
  • Einen Benzinkocher (Nr. 3 auf der Tour. Der Erste ging in Frankreich schon kaputt und der Zweite durfte nicht mit in das Flugzeug, nichtmal im Frachtraum. Deshalb steht der Kocher Nr. 2 jetzt in irgendeinem Postzentrum in Lissabon und wartet darauf bis Pauline ihn abholt. Nr. 3 war also im Paket)

Wir bekamen über einen Bekannten aus Mexico-City einen Kontakt von Menschen in Veracruz, an die das Paket geschickt werden konnte. Dies hätte auch alles super funktioniert, wenn das Paket nicht 2 Wochen nach uns in Veracruz eingetroffen wäre. Zu diesem Zeitpunkt befanden wir uns schon deutlich weiter im Bundesstaat. Also mussten wir über eine gegründete Whatsappgruppe eine Nachsendung des Pakets koordinieren. Da für das Paket aber nur eine Expressversendung in Frage kam, sodass wir nicht erneut daran vorbeifahren würden, kam auf unserem Weg nur eine Stadt zur Auswahl, die eigentlich nicht auf unserer Route lag: Villahermosa. Da wir dann das erwähnte Bioreservat nicht hätten durchfahren können, war uns diese Option gar nicht so recht, also kamen wir auf eine Idee.


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Wir hörten schon seit La Antigua von zwei anderen Radelnden @couple_days_off, die uns beiden nicht sehr weit voraus wären. Über Erzählungen und Instagram kamen wir dann mit ihnen in Kontakt. Da diese gerade zufälligerweise in Villahermosa waren, riefen wir sie sehr spontan an und brauchten in Windeseile eine Antwort, ob das klar ginge, dass sie für uns das Paket dort abholen, da das Paket sonst einen Tag später und damit nicht mehr erreichbar für @couple_days_off angekommen wäre. Ohne dass wir uns zuvor je gesehen hatten, wurde uns zugesagt und wir verabredeten uns dann dazu uns gemeinsam in Palenque zu treffen, sodass sie uns das Paket haben übergeben könnnen.


Nach 5 Wochen on Tour und ca. 60 € Zoll + Nachsendungskosten erreichte uns das Paket dann letztendlich in Palenque. Vielen Dank @rudolphjudith für den Aufwand und das Versenden. Tipp also für das nächste Mal: Sendet das Paket weit vorraus!


Alles Liebe,
Pauline und Jonas 🌿


Januar 2022

Gastfreundschaft

30.01.2022

Frontera konnte bis jetzt an Gastfreundschaftlichkeit nicht übertroffen werden. Zwar wurden wir zwei Mal herumgeschickt bis wir mit einem netten, englisch sprechenden Mann von der Behörde nochmal ins Tourismusbüro gegangen sind, dort aus hat man uns aber ein Mittagessen, frischgepresste Limonade und ein 40 m² Appartment angeboten, und das Alles kostenlos. Da wir am nächsten Tag durch ein Maya-Reservat fahren wollten mit einer Strecke von mehr als 100 km ohne ein einziges richtiges Dorf, kam uns das sehr zu Gute.


Am nächsten Morgen erwarteten wir bereits eine kleine Begleitung von einer Person, die wir am Tag zuvor kennengelernt hatten. Dass @aleshka_alvarado aber 10 Personen aus der Stadt organisiert hatte, die uns die ersten 20 km begleiteten, war uns nicht bewusst, machte dafür umso mehr Spaß.

Nachdem sie uns verlassen hatten, ging es für uns weiter durch das Reservat, was unheimlich schön war. Alles war grün und irgendwie doch Recht ursprünglich, das heißt, kaum Viehweiden oder Plantagen. Unser Weg führte an einem riesigen Fluss entlang und wir bewunderten Alligatoren, exotische Vögel und unglaublich riesige Schmetterlinge. Unterwegs gab es viele kleine bunte Hütten/Häuser, deren einzige Zufahrt diese eine Straße ist, bei der man teilweise bis zu 55 km fahren muss, nur um zur nächsten Stadt zu kommen. Da wir wussten, dass uns also unterwegs nichts passieren darf, da es ja kein Telefonnetz gab, fuhren wir einfach ganz schnell durch und legten in ca. 6 h die 110 km bis nach Jonuta zurück.

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Dort angekommen wurden wir nicht nur zum Mittagessen eingeladen, sondern durften auch noch bei einem Fotoshooting teilnehmen, was das Tourismusbüro zur Bewerbung ihrer Stadt in Auftrag gegeben hatte. Vielen Dank an @israelangelchacon für die Fotos. Im Nachhinein haben wir auch erfahren, dass @littlemisspedals das gleiche erlebt hat ;)


Am Tag danach, setzten wir uns das Ziel in den Kopf, die 95 km bis in die touristische Stadt Palenque zu fahren. Da wir aber zu spät starteten und zu platt waren vom Vortag, bedienten wir uns nach 45 km des Trampens und kamen durch 2 Transporte bis in die Stadt rein. Dort trafen wir erstmals @couple_days_off, mit denen wir abgemacht hatten uns in Palenque zu treffen, da sie für uns ein Paket aus Deutschland abgeholt hatten. Was genau da drin war, kommt im nächsten Beitrag ;)


Alles Liebe,
Pauline und Jonas 🌿


Viel Wasser

28.01.2022

Arturo, der Mann von Enlace Bikers, der uns in Coatzacoalcos beherbergte, begleitete uns ein Stück auf unserem Weg, bis an den Grenzfluss zwischen den Bundesstaaten Veracruz und Tabasco. Die Route führte über eine Sand-"Straße", die wir wohl ohne Arturos Führung niemals gewählt hätten. Die Strecke war eher zum Mountainbiken gedacht, aber wäre doch gelacht, wenn das unsere Räder nicht gepackt hätten! Wir kamen an Dörfern vorbei, deren einzige Verbindung zur Zivilisation dieser Weg war und das kam uns alles ziemlich abenteuerlich vor. Aber noch abenteuerlicher war wohl die Überquerung des Grenzflusses der beiden Bundesstaaten: ein Mini-Boot, quasi eine Nussschale, in der maximal 10 Personen Platz finden und die nicht einmal Google kennt. Also ohne langes Zögern die Räder rein und kurz verabschieden, dann ging es auch schon los. Danach ging es für uns die einzige mögliche Straße entlang, nach Sanchez Magalanez, wo wir auf dem Vorplatz einer Kirche schlafen durften.


Am nächsten Tag fuhren wir etwa 77 km an der Küste entlang. Klingt erstmal idyllisch, oder? Naja, so dachten wir auch, bis auf einmal die Straße weg war. Ein Hurricane hatte sie wohl vor Jahren zerstört und niemand scheint sich die Mühe zu machen, sie wieder aufzubauen. Also ging es über Sandwege auf  Privatgrundstücken weiter. Unter Kokospalmen fuhren, bzw. schoben wir also unsere Räder und wunderten uns noch über die netten Menschen, die wir immer wieder trafen und die jedesmal eine Schnur für uns beiseite zogen, die über die Straße gespannt war. Dann unterhielten wir uns kurz nett und fuhren weiter. Erst viel später erfuhren wir, dass andere Radreisende, die hier durch gefahren waren Geld haben zahlen müssen und dazu war es wohl gedacht, aber uns hatte niemand dazu aufgefordert und irgendwie haben wir das nicht kappiert in dem Moment. :)

In Paraìso kamen wir total erschöpft von den vielen Kilometern über Sandwege mit Gegenwind an und wurden direkt in einer ehemaligen und heute als Büro genutzen alten Basketballhalle untergebracht. Das war klasse, wie wir am nächsten Morgen merkten ...

Denn als wir gerade anfingen zu frühstücken, begann es wie aus Badewannen zu schütten und damit meinen wir wirklich Badewannen. An diesem Tag fuhren wir nur in den Regenpausen, mussten uns aber immer wieder und teilweise für eine Stunde unterstellen. Abwarten, Karten spielen und Kekse essen. Daher erreichten wir  unser Tagesziel nicht und schliefen irgendwo auf halber Strecke, wieder Mal auf einem Basketball-Feld, bis wir einen Tag später dann im geplanten Frontera eine Unterkunft fanden. Aber wie das passiert ist, ist eine andere Geschichte :)

Alles Liebe,
Pauline und Jonas 🌿


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    Frische Luft und Begegnungen

    27.01.2022

    Noch in Catemaco ging es dann das erste Mal wieder an das Luft aufpumpen unserer vier Reifen. Wir hätten niemals gedacht, dass dies soo viel ausmachen würde, aber das Fahrgefühl danach war deutlich entspannter!
    Wir fuhren eine auf Google Maps mit "größtenteils Flach" markierte, sehr hügelige Straße antlang in Richtung Acayucan.


    Auf dem Weg dorthin trafen wir durch Zufall das erste Mal ein paar deutsche, die mit ihrem Camper derzeit durch Mexico unterwegs sind. Es war sehr unterhaltsam sich Mal wieder mit Deutschen auszutauschen. Sie kamen aus Rheinzabern, weshalb wir uns sogar über unsere Heimat haben unterhalten können :)


    Später am Nachmittag trafen wir dann bei Teo ein, eine Person deren Kontakt wir vorab zugeschickt bekommen haben. Sie beherbergte uns für eine Nacht und hat sogar extra einen Raum hergerichtet und ein Bett für uns gebaut. Auch am Tag danach ließ die Familie keine Überraschungen aus und nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten erfuhren wir, dass wir heute ein Stück weit auf unserer Tour begleitet werden würden.


    Wir fuhren also gemainsam bis Jaltipan, wurden dort zum großen Mittagessen eingeladen und fuhren danach in Begleitung eines Motorradfahrers von Enlace Bikers weiter um in Richtung Coatzacoalcos zu steuern. Dabei wurde die ganze Zeit die eine Spur der Autobahn durch den Motorradfahrer gesichert, während der Sohn uns fast dauerhaft gefilmt hat 😅


    In Coatzacoalcos wurden wir dann von Arturo (@art2dl) aufgenommen, der uns Abendessen, Schlafplatz und eine Stadtführung gegeben hat. Auch er ist Teil der Gruppe Enlace Bikers, die jetzt bereits häufiger erwähnt wurde, weshalb wir hier ein paar Worte dazu verlieren möchten. Enlace Bikers (https://m.facebook.com/enlacebikers/) ist eine Gruppe von Menschen in Mexico, die sich dazu zusammengefunden haben Fahrradreisenden in Mexico zu helfen und bei ihrer Fahrt zu unterstützen, mit Schlafplätzen zu versorgen oder sich um das Essen der Fahrradreisenden zu kümmern. Wir haben so sehr viele Menschen kennengelernt und wir würden uns freuen, wenn diese Gruppe sich noch in den kommenden vielen Jahren um allerlei Radreisenden kümmern kann.


    ¡Muchas Gracias!

    Alles Liebe,
    Pauline und Jonas 🌿


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    Stetig weiter Richtung Südosten

    24.01.2022

    Also machten wir uns, als wir wieder fit waren, auf den Weg. An unserem ersten Radltag begegneten wir mitten im Niergendwo, umgeben von Kühen, 2 radelnden Schweizern, unseren ersten Radreisenden, die wir in Mexiko trafen. Das anfängliche Freudengefühl schlug im laufe der Unterhaltung ganz schnell in den Wunsch des davon Laufens um. Bei dem Vergleich der Impfkampagne in Europa mit dem Holocaust und der Aussage, dass "500 000 000 Menschen weggeimpft" würden radelten wir schnell weiter und holten uns daraufhin in der nächsten Stadt ersteinmal die 3. Impfung ab! Freunde der Sonne, bitte wertschätzt die Möglichkeiten, die wir in Europa haben, so einfach an Medikamente und Impfstoffe zu kommen!


    Wir hatten super Glück durch Zufall diese Möglichkeit einer Impfung zu bekommen, auch wenn wir ungefähr 4 Stunden warten mussten, weil niemand wusste, was mit uns zu tun sei.

    Am selben Abend durften wir dann das erste Mal in einer Feuerwache schlafen. Es war klasse, gerade für Jonas als Feuerwehrmann, zu sehen, wie die Feuerwehr und die Ambulancia in Mexiko funktionieren. Die Stadt Angel R. Cabada hat mehr Einwohner als die Verbandsgemeinden Edenkoben und Maikammer zusammen, trotzdem nur ein "Feuerwehrauto" und einen "Rettungswagen", der vermutlich genauso gut ausgerüstet ist, wie euer Erste Hilfe Koffer im Auto. Irgendwie erschreckend, aber auch schön zu sehen, wie stolz die Menschen dort darauf sind, was sie aufgebaut haben und wie gut das funktioniert, obwohl alles nur auf Spenden basiert.


    Unser weiterer Weg führte an der Atlantikküste weiter durch ein landschaftlich wunderschönes Gebiet, auf der linken Seite das Meer, auf der rechten Seite der Dschungel oder Kühe und über unseren Köpfen bunt exotisch aussehende und klingende Vögel. Nur einen Tucan haben wir leider noch nicht gesehen :(


    In Catemaco bewunderten wir die riesige Lagune mit ihren vielen Inseln und genossen das bunte Treiben auf den Straßen der Stadt, die am 6. Januar bunt geschmückt und voll von leckeren Gerüchen waren. Die Zeit an der Küste haben wir sehr genossen, gerade weil wir an diesen Tagen kein Internet hatten. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr man sich auf sein funktionierendes Handy verlässt, egal ob es um das Höhenprofil der nächsten Tour, die Vogelgesangerkennungs-App oder den Übersetzer geht. Aber naja, "back to the roots" klappt ja auch immer irgendwie und am Ende ist es doch immerwieder schön zu sehen, wie man allein mit seinen eigenen Fähigkeiten klar kommt.


    Der weitere Weg führte uns dann stetig weiter Richtung Südosten, dem Bundesstaat Tabasco entgegen, aber dazu später mehr.
    Bis dahin machts gut :)


    Alles Liebe,
    Jonas & Pauline 🌿


    Der Start ins neue Jahr

    22.01.2022

    Der Weg seit unserer Weihnachtspause, der ja jetzt schon länger als 3 Wochen beradlt wird, macht große Schritte. Jedes Mal wenn wir zurückschauen um einen Blick auf die Karte zu werfen, wird uns erst klar, was wir alles auf dieser langen Strecke erlebt haben. Da wir mit den Beiträgen etwas hinterher sind, holen wir das Stück für Stück nach ;)


    Nach Xalapa benötigten wir zum ersten Mal nach dem Abstieg von der Hochebene unser Außenzelt nicht mehr, da es zu viel Hitze stauen würde und die Schlafsäcke haben wir auch bei Seite gelegt. Auf dem Weg fuhren wir durch unglaubliche Naturlandschaften: an Kaffeeplantagen vorbei, überfuhren riesige Hängebrücken über tropische Flüsse und die Wege waren immer gesäumt von Bananenbäume.

    Wir fuhren über La Antigua, ein Dorf, in dem der Spanier Hernan Cortés bei der Besiedelung Mittelamerikas sein erstes Haus aufgebaut hatte. Dieser Ort wurde uns als super interessant angekündigt, uns hat aber irgendwie die Tatsache, wie sich die Natur das alles zurück erobert, mehr beeindruckt. Was Pauline etwas schockierte, war die Alligatoren-Farm, die wir auf der Weiterfahrt entdeckten, mit 3-4 m langen Tieren, die wir hier auch in freier Natur zu erwarten hatten. Später in Puerto de Veracruz (im Bundesstaat Veracruz), wo wir ein Paket aus der Heimat erwarteten, sahen wir zum ersten Mal seit Lissabon wieder den Atlantik und mit ihm direkt Pelikane. Da das Paket jedoch noch nicht da war, entschieden wir uns direkt zur Weiterfahrt.

    Die Freundlichkeit der Menschen hier in Mexiko hat uns immer wieder überwältigt und da sich das Jahresende von 2021 näherte, entschieden wir uns dazu, das Jahr mit Einheimischen zu verbringen, einfach dort, wo uns die Leute aufnehmen :)

    In Alverado trafen wir am 30.12.2021 auf @julioalceda, der uns auf der Straße ansprach. Er ist Teil der Gruppe Enlace Bikers, von der wir auch später noch deutlich mehr berichten werden. Er organisierte uns in Alverado direkt ein Hotel und lud uns zum Abendessen ein. Im Laufe des Gesprächs wurden wir dann eingeladen, über Silvester zu bleiben und Abends zum Festessen zu kommen.

    Da Pauline aber an Silvester selbst mit Kotzeritis im Bett lag (wahrscheinlich das Abendessen von davor) und wir daraufhin das Hotelzimmer nicht verlassen konnten, feierten wir eben doch nur zu zweit ins Neue Jahr 2022 hinein. Dennoch genossen wir die Aussicht und waren richtig froh, hier in Alverado sein zu dürfen, dort, wo sich Julio so gut um uns gekümmert hat!
    ¡Muchas Gracias @julioalceda!

    Nach Alverado ging es dann weiter an der Küste entlang, dazu aber später mehr ...

    Alles Liebe,
    Pauline und Jonas 🌿
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    Auf der Ojtli Sustenable Farm

    01.01.2022

    Die 2 Wochen Pause auf der Ojtli Sustenable Farm waren definitiv 2 tolle und Erinnerungsreiche Wochen auf unserer Tour. Die Arbeiten waren nachdem wir angekommen sind sehr abwechslungsreich und für einen angehenden Sicherheitsingenieur wie Jonas manchmal sehr "aufregend"! Wir konnten dem Besitzer der Farm und seinem Mitarbeiter Marco bei vielen Tätigkeiten helfen und dabei auch lernen, wie man in Mexico Bauprojekte verwirklicht. Viel über Nachhaltigkeit konnten wir leider nicht mitnehmen und manchmal hat uns die fehlende Nachhaltigkeit sogar einige Nerven gekostet. Als an unserem letzten Arbeitstag ein sehr schweres Dach auf ein 7 m hohes Bambus-Gestell gehoben werden sollte (was 2 mal definitiv nicht funktionierte), wurde uns dann doch etwas bange und wir waren froh über die Entscheidung, die Farm direkt nach den Weihnachtsfeiertagen zu verlassen.

    Dennoch war es eine super tolle Zeit mit @jorihab und Esmee auf dieser Farm und wir sind froh, gemeinsam das Weihnachtsfest in Mexico verbracht zu haben. Nach diesen 2 Wochen war dann auch der Abschied dementsprechen schwer, da wir uns schon soo ins Herz geschlossen hatten. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja nochmal irgendwo in Mexico 😊


    Die Weiterfahrt war danach dafür umso schöner und zum ersten Mal kamen wir von der Hochebene richtig herunter und direkt Mal hinein ins ca. 10° C wärmere Klima. Unser Thermometer zeigt in der Sonne eine Temperatur bis zu 44° C an und dies schlägt sich natürlich auch auf unserer täglichen Reisezeit nieder. Mehr als 70 km haben wir seit unserer Weiterfahrt pro Tag deshalb nicht geschafft, dennoch kommen wir weiterhin stetig voran.

    Wir bleiben nun eine weitere Nacht in der Stadt Alverado und verbringen hier unser Silvesterfest mit @julioalceda. Mal sehen wie das hier in Mexico so gefeiert wird :)

    Alles Liebe,
    Pauline und Jonas 🌿

    P.S. Immer stärker wird uns auf unserer Tour die Bedeutung von Inklusion und Bildung von beeinträchtigten Menschen klar (auch wenn wir hierzu keine Bilder haben). Um dies in Lima ein wenig zu verbessern benötigt es eure Hilfe! Wir zählen auf eure Unterstützung ;)


    Dezember 2021

    Auf dem Weg zu

    Yancana Husay

    25.12.2021

    Jetzt kommt etwas, wofür wir eigentlich schon längst eure Aufmerksamkeit gewinnen wollten!

    Derzeit finden auch in Peru die Vorbereitungen auf ein Weihnachtsfest statt. Viele Familien mit beeinträchtigten Kindern haben es dort sehr schwer das Fest so feiern zu können, wie wir das in Deutschland gewohnt sind.
    In Lima haben es Kinder mit Behinderungen sehr schwer überhaupt richtig am Alltag teilnehmen zu können, auf dem Bürgersteig oder der Straße zu gehen/fahren oder einfach nur die Straßenseite zu wechseln. Das was wir in Deutschland als selbstverständlich ansehen, wird in Lima noch oft vermisst (wir sind zwar noch nicht in Peru, aber wenn die Verhältnisse genauso wie hier in Mexico sind, sind es für beeinträchtigte Menschen sehr große Probleme).


    Ebenso wichtig jedoch ist eine Therapie für die Kinder, um diese körperlich fit und mental bei Kräften zu halten, um dafür zu sorgen, dass sie auch Spaß und Freude am Weihnachtsfest und darüber hinaus haben können.
    Aus diesem Grund sind wir losgefahren und nun möchten wir stärker damit beginnen, darauf aufmerksam zu machen. Wir möchten das Projekt Yancana Huasy, über das wir bereits schon einmal einen Beitrag geschrieben haben, mit insgesamt 25000 € an Spenden unterstützen.

    Einiges an Geld ist bis zum Beginn November bereits zusammengekommen, jedoch brauchen die Menschen in Lima jetzt auch deine Unterstützung, sodass wir gemeinsam den Menschen dort ein normales Leben ermöglichen können.


    Wir würden uns freuen wenn du mit uns dazu beitragen kannst, dass wir das Spendenziel erreichen und den Menschen bei Yancana Huasy eine gute Weiterarbeit ermöglichen :)

    Keine Angst, jeder Cent hilft! Spenden könnt ihr ganz einfach über PayPal oder weitere Zahlungsarten. WICHTIG!!! Der Verwendungszweck ist:

    2 bikes across the world


    Auf unserer Seite "Die Spende" haben wir alles wichtige zum Spenden auch nochmal zum Nachlesen für euch zusammengefasst.


    Wir sind auf dem Weg dort hin!

    Alles Liebe,
    Pauline und Jonas 🌿

    P.S. gerne teilen ;)



    Die Fahrt nach Xalapa

    19.12.2021

    Die Weiterfahrt war heftig. Wir hatten zwar eine Woche lang Zeit um uns an den Verkehr etwas zu gewöhnen, jedoch richtig darauf vorbereitet waren wir nicht. Erstmal galt es, aus México-City herauszukommen, was sich aber als schwerer herausstellte, als wir dachten. Wir hatten nämlich eine Strecke von 45 km alleine innerhalb der Stadt zurückzulegen und am Ende der Stadt einen 1000 hm Anstieg bis auf 3200 m zu erklimmen. Alles andere als leicht!


    Aus der Stadt fuhren wir nur auf den Hauptstraßen, da uns sonst das Risiko ausgeraubt zu werden (vor allem in den Randregionen) zu groß war, irgendwann wurde es deshalb auch manchmal die 4-spurige Autobahn. Um den Anstieg entgültig zu erklimmen trampten wir, da es schon spät, die Höhenluft dünn und die Kraft noch nicht wirklich zurück war. Das klappte außerordentlich gut :)

    Weiter kamen wir dann in Gebiete, in denen wir 3 Mal hintereinander davor gewarnt wurden, dass es hier sehr gefährlich sei, da man schnell ausgeraubt würde, in Orte, an denen uns die Polizei sagte, dass wir besser Mal in ein nächstgelegenes Hotel gehen sollten, da das hier ein Überfallgebiet sei, in Dörfer, in denen uns eine Vielzahl von Straßenhunden hinterherrannten, bellten und Zähne fletschten, und an Regionen, wo die Straßen die Bedeutung von Bodenversiegelung noch nie gehört hatten.


    Genauso sind wir aber auch an Orte gekommen und haben Menschen getroffen, bei denen Gastfreundschaft als eines der wichtigsten Güter verstanden wird, bei denen man einfach so abends zur Geburtstagsfeier eingeladen wird (@fer.garcf), bei denen man in einem bewachten Familienzentrum hat schlafen dürfen, oder an Geschwister einer Freundin von Bekannten, die einem eine Turnhalle zum Schlafen anbieten (@claralizmora).

    All diese Erfahrungen konnten wir bereits in den letzten 8 Tagen machen, gute und weniger gute, aber das gehört dazu, oder? Wir haben Mexico bisher von solch interessanten Seiten mitbekommen, dass wir nicht anders können als uns auf das kommende zu freuen :)

    Jedoch endet in Xalapa das große Radeln für dieses Jahr, da wir uns nun dazu entschieden haben unser Weihnachtsfest unbedingt mit anderen Menschen verbringen zu wollen. Aus diesem Grund haben wir uns auf einer Farm (@ojtli.centrosustentable) niedergelassen, die aus Bambus und natürlichen/nachhaltigen Produkten verschiedene Bauprojekte ermöglicht. Wir wollen dort mithelfen und gerne auch etwas über das nachhaltige Bauen lernen, sodass wir hier die kommenden 2 Wochen verbringen werden und kein einsames/nomadisches Fest haben müssen, sondern erstmal eine gewisse Sicherheit was unseren Standort angeht bekommen, damit wir mit hoffentlich ausreichendem W-Lan mit unseren Familien ein wenig Weihnachten feiern können. Auch wenn es bei 20° C doch etwas anderes ist als zu Hause ;)


    Alles Liebe,
    Pauline und Jonas 🌿


    Ein Schock für uns

    16.12.2021

    Das war Mal ein Schock! Nachdem wir 27 h die Außenwelt nur durch Fenster gesehen haben und dabei fast dauerhaft unsere FFP-2 Maske tragen mussten, kamen wir mit zusammengebauten Fahrrädern aus dem Flughafen heraus. Anfangs war außer der Kleidung der Polizisten und die Autos Alles sehr ähnlich mit Europa, jedoch merkten wir schnell, dass die Polizeipräsenz doch sehr groß ist um den Flughafen herum ...


    Pauline wurde es dort erstmals etwas schlecht, was wahrscheinlich eine Reaktion auf den ganzen Stress, die Zeitumstellung (7 h zurück) und die Höhenluft (CDMX liegt auf ~ 2400 hm) war, weswegen sie sich erstmal direkt hinlegen musste.


    Kurz darauf fuhren wir zur deutschen evangelischen Gemeinde in Mexico. Die Entfernung betrug zwar bloß 17 km, jedoch waren wir die Verkehrsführung und die Fahrgewohnheiten der Autofahrer absolut nicht gewöhnt (Alle hupen hier, immer und überall ;) ), dass uns diese Strecke 3 h kostete. Dafür konnten wir schonmal viele schöne Eindrücke mitnehmen und anfangen den Kulturschock etwas zu verarbeiten!

    Eigentlich wollten wir ja bloß 3 Tage in CDMX (Ciudad de México) verweilen und danach weiterfahren, jedoch gab es bei uns beiden ein Magen-Darm Problem, weswegen wir Mithilfe eines deutschsprachigen Freundes zu einem Arzt gefahren sind, der den Verdacht aufstellte, dass dir uns bei der Ankunft mit Salmonellen infiziert haben (anscheinend in einem kleinen Tacoladen). Aus diesem Grund blieben wir noch eine ganze Woche länger um wieder fit zu werden fürs Radln. Deshalb gab es auch erstmal keine Storys von uns.


    Als wir dann alles erledigt hatten, wieder fit waren und die ersten Grundzüge über mexikanisches Essen von @pastor_mex_alleman (Stephanie) erklärt bekommen haben, entschieden wir uns dazu dankend Abschied zu nehmen und auf eigener Achse weiterzufahren.


    Viele haben uns vor der Weiterfahrt gewarnt, vor allem aus México-City heraus, jedoch bestand für uns Zwei kaum eine andere Option als mit dem Radl aus der Stadt herauszufahren. Wie eine bekannte Radlerin sagen würde: ist eben alles Teil des Abenteuers!

    Alles Liebe,
    Pauline und Jonas 🌿

    Unser letzter Hafen

    in Europa

    03.12.2021

    Nach 60 Tagen auf unserer Reise erreichten wir die Hauptstadt Portugals. Von Porto aus war dies für uns ein 6-Tagesmarsch, welcher sehr schön abwechslungsreich an der Nähe der Atlantikküste entlangführte. Es verging kein Tag, an dem wir nicht das Meer sahen. Einen Tag lang fuhren wir mit den netten Radlern @Johinder2.0,  @Cyrilmercat und Gustav und ließen den Tag mit Lagerfeuer am Strand und einem nächtlichen Meergang ausklingen. Wir kamen auch durch Nazaré, dem Ort mit den größten surfbaren Wellen.

    In Lissabon angekommen war uns bereits direkt klar, dass dies die Stadt sein wird, von der aus wir Europa verlassen werden. Direkt am Tag unserer Ankunft beschäftigten wir uns also erneut, so wie in Porto, mit der Suche nach einem Containerschiff, welches uns über den Atlantik nehmen kann. Wohin, das war uns erstmal egal!

    Anfangs suchten wir das Hafengelände ab, welches abgesperrt war, recherchierten die Schiffe die derzeit im Hafen liegen und schauten nach, wo diese womöglich als nächstes hinfahren und welchen Agenturen sie gehören, riefen danach die Agenturen an oder, falls diese ein Büro in Lissabon haben, schauten wir persönlich vorbei. Ebenso haben wir auch immer im Zollhaus nach Adressen von allen möglichen Schifffahrtsunternehmen gefragt. Dort konnte uns eigentlich immer sehr gut geholfen werden.
    Jedoch, egal wo oder was wir fragten, manchmal wurden wir weitergeschickt und an andere Personen verwiesen die solch eine Entscheidung eventuell treffen können, andere Male sind Personen nicht einmal von ihrem Schreibtisch aufgestanden und haben nur aus 7 m Entfernung mit uns gesprochen. Die Quintessenz bleibt jedoch Eine: "Nein"!
    Manche Unternehmen machen solche Aktionen, also Passanten auf Containerschiffen mitnehmen, gar nicht, für andere Unternehmen stellt die Coronasituation derzeit eine sehr große Hürde dar, die es schlichtweg nicht erlaubt, jemanden der nicht der Crew angehört, aufs Schiff zu lassen.

    Aus diesem Grund wurde für uns die Entscheidung getroffen und obwohl wir alles mögliche versucht haben, um auf einem Schiff mitgenommen zu werden, mussten wir uns wohl oder übel für einen Flug entscheiden. Also haben wir den günstigsten Zielflughafen ausgewählt und haben einen Flug nach Mexico-City gebucht.

    Am Freitag den 26.11.2021 ging es dann los (über Madrid) auf den Weg in eine neue Kultur! Danke an @yearinabackpack für den Transport zum Flughafen :)

    Alles Liebe,
    Pauline und Jonas 🌿

    November 2021

    Die Suche nach einem Schiff

    16.11.2021

    Porto heißt die Stadt, in der wir die letzten 4 Nächte verbracht haben. Das erste Mal, dass wir an einem Ort eine längere Zeit geblieben sind. Aber das heißt nicht, dass wir untätig waren. Seit dem Tag unserer Ankunft waren wir bereits mehrfach am Hafen und in unterschiedlichen Reisebüros auf der Suche. Wir suchen ein Schiff. Am liebsten ein Containerschiff, das uns über den Atlantik mitnimmt.


    Dass diese Suche komplex werden kann, das war uns ja beiden bewusst, aber unser Anliegen ist wohl so extraordinär, dass niemand dafür verantwortlich zu sein scheint. Einmal wurden wir in einem Haus mehrfach von Büro zu Büro geschickt, bis wir jemandem gefunden haben, der sich uns angenommen hat. Dieser möchte uns heute noch zurückrufen und uns mitteilen ob er eine Möglichkeit gefunden hat.

    Dennoch, selbst falls wir heute eine Absage erhalten, obwohl wir es soo stark versucht haben, möchten wir unsere Tour mit dem Fahrrad bis nach Lissabon vorsetzen und uns dort erneut auf die Suche machen. Mal sehen was wir dort finden werden 😅


    2 Tage bevor wir Porto erreichten, wurden wir von Jonas Bruder besucht. Eine unglaublich tolle Zeit auf unserer Tour die wir sehr genossen haben. Natürlich war der Abschied für uns richtig schwer, nachdem er uns nach kurzer Zeit wieder verlassen musste, jedoch zweifeln wir dadurch nicht an unseren Plänen. Es geht mit nächster Gelegenheit nach Lateinamerika. Wir freuen uns beide schon riesig drauf!!!


    Alles Liebe,
    Pauline und Jonas 🌿